DeFi Governance steht im Fokus, weil Aave Labs mit einem Paket von rund 50 Millionen Dollar die Weichen für eine neue Einnahmenstruktur der Aave DAO stellen will – mit potenziellen Folgen für Rendite, Voting-Macht und Protokoll-Risiko.
Kurz erklärt
- Aave Labs fordert ein Funding-Paket von rund 50 Millionen Dollar aus der Aave DAO Treasury.
- Dafür sollen 100 % der Produktumsätze aus Aave-Angeboten direkt an die DAO fließen.
- Im Paket enthalten: bis zu 42,5 Millionen Dollar in Stablecoins plus 75.000 AAVE-Token mit Governance-Stimmrecht.
Was ist passiert?
Aave Labs hat einen Governance-Vorschlag eingereicht, der ein Funding-Paket von insgesamt etwa 50 Millionen Dollar vorsieht, um die künftige Entwicklung von Aave-Produkten zu finanzieren und gleichzeitig alle Produktumsätze vollständig an die DAO weiterzuleiten. Kern ist ein Stablecoin-Budget von bis zu 42,5 Millionen Dollar, davon 25 Millionen als Primärzuteilung und weitere 17,5 Millionen, die an konkrete Produkt-Meilensteine gekoppelt sind – ein Modell, das die DeFi Governance stärker an messbare Performance bindet.
Neben den Stablecoins soll Aave Labs zusätzlich 75.000 AAVE-Token erhalten, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung etwa 8 Millionen Dollar wert waren, was unmittelbar Einfluss auf die DeFi Governance und die Stimmgewichtung im Protokoll haben kann. Die Auszahlung der Stablecoins soll per Streaming über die Zeit erfolgen, während die milestone-basierten Beträge jeweils nach Launch neuer Produkte freigegeben werden.
Im Gegenzug will Aave Labs 100 % der produktbezogenen Einnahmen aus aave.com, der geplanten Aave App und Aave Card, Aave Pro, Aave Kit sowie Aave Horizon an die DAO durchleiten. Parallel dazu soll Aave V4 als langfristige technische Basis des Protokolls ratifiziert und eine eigene Foundation geschaffen werden, die die Aave-Marke hält und verwaltet – beides zentrale Stellschrauben für künftige DeFi Governance und Wertakkumulation.
Innerhalb der Community sorgt vor allem die Größe des Pakets und die Governance-Wirkung der 75.000 AAVE für Diskussionen, da diese Token im Rahmen der DeFi Governance direktes Stimmrecht mitbringen. Kritische Stimmen fordern daher die Aufspaltung des großen Pakets in mehrere Einzelabstimmungen, um Revenue-Ausrichtung, V4-Ratifikation, Foundation-Struktur und Finanzierung getrennt bewerten zu können.
Wer DeFi Governance ernst nimmt, muss diese Aave-Abstimmung als Testlauf dafür sehen, ob DAOs nachhaltige Cashflow-Modelle und Machtverteilung gleichzeitig sauber strukturieren können.
Warum das wichtig ist
Mit der klaren Trennung zwischen produktgenerierten Einnahmen und DAO-kontrollierter Treasury verschiebt sich das Machtzentrum der Aave-Ökonomie weiter hin zur DeFi Governance auf Tokenholder-Ebene. Wenn künftig alle Produktumsätze – von Aave Pro bis zur Aave Card – direkt in die DAO fließen, stärkt das den finanziellen Hebel für Buybacks, Wachstumsinitiativen und Ökosystem-Investments, aber eben auch den Druck, Governance-Entscheidungen professionell und transparent zu treffen.
Gleichzeitig zeigt der Streit um die 75.000 AAVE-Token, dass DeFi Governance nicht nur eine technische, sondern vor allem eine politische Frage ist: Wer Treasury-Mittel und Brand-Rechte kontrolliert, steuert auch die langfristige strategische Richtung des Protokolls. Forderungen nach Offenlegung bestehender Tokenbestände und externer Verifizierung der tatsächlich fließenden Produktumsätze zielen daher genau auf den wunden Punkt mangelnder Checks & Balances in vielen DAO-Strukturen.
„This would position the DAO to fund growth, increase buybacks, and pursue other opportunities as it sees fit,“ betont Aave-Gründer Stani Kulechov zur vollständigen Umleitung der Produktumsätze an die DAO.
🇩🇪 Der Blick auf den DACH-Raum
Für Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist diese Entwicklung ein Lackmustest dafür, wie tragfähig DeFi Governance als Modell zur Steuerung realer Cashflows ist. Wer über Neobroker, Krypto-Börsen oder strukturierte Produkte AAVE hält, muss künftig nicht nur Preischarts, sondern verstärkt Governance-Threads, Treasury-Größen und Stimmmacht-Konzentration monitoren, weil genau dort entschieden wird, ob zusätzliche Einnahmen in Buybacks, Sicherheitsreserven oder Wachstums-Experimente fließen.
Ausblick: Was jetzt wichtig wird
In den nächsten 90 Tagen wird entscheidend sein, wie das Temp-Check-Voting und nachgelagerte Onchain-Abstimmungen ausfallen und ob die Community tatsächlich das Gesamtpaket akzeptiert oder eine Aufsplittung durchsetzt. Für Anleger ist besonders relevant, ob die DAO klare Definitionen von „Revenue“, transparente Offchain- und Onchain-Reporting-Strukturen und Limits für Governance-Macht einzelner Empfänger implementiert – das bestimmt, ob aus dieser DeFi Governance-Runde ein Blaupausen-Modell für kommende Protokolle entsteht oder ein weiteres Beispiel für Governance-Risiken mit direkter Auswirkung auf Tokenbewertungen.
Key Takeaways
- Aave Labs beantragt ein rund 50-Millionen-Dollar-Paket (42,5 Mio. in Stablecoins plus 75.000 AAVE), um Entwicklung zu finanzieren und alle Produktumsätze an die DAO zu leiten.
- Die Umstellung stärkt die Rolle der DeFi Governance, erhöht aber auch das Risiko von Machtkonzentration durch große Token-Zuteilungen.
- Für DACH-Investoren ist die Abstimmung ein wichtiges Signal, wie zuverlässig DAO-gesteuerte Cashflows, Buybacks und Treasury-Strategien künftig sein können.
- Transparente Definition von Revenue, externe Verifizierung der Produktumsätze und Offenlegung von Tokenbeständen der Begünstigten sind die zentralen Punkte, auf die Marktteilnehmer jetzt achten sollten.
