Bitcoin-Anleger verzeichnen Rekordbuchverluste – Was jetzt für die Erholung spricht

Bitcoin-Händler leiden derzeit unter den höchsten Buchverlusten dieses Zyklus, während Spot-Bitcoin-ETFs nach massiven Abflüssen wieder in den positiven Bereich drehen und Analysten in dieser Konstellation Chancen für eine Bodenbildung sehen.

Kurz erklärt

Was passiert aktuell mit Bitcoin-Händlern und ETFs?

Kurzfristige Bitcoin-Trader, die ihre Coins zwischen ein und drei Monaten halten, verzeichnen laut dem CryptoQuant-Analysten Darkfrost seit über zwei Wochen Buchverluste von rund 20 bis 25 Prozent. Dies markiert den bisher größten Schmerzpunkt dieses Marktzyklus.

Darkfrost wertet diese Phase als typisches Muster einer Kapitulation vieler Marktteilnehmer. Historisch sahen On-Chain-Analysten solche Phasen häufig als potenziell attraktive Gelegenheiten zur Akkumulation, sobald der Verkaufsdruck nachlässt.

Für diese Tradergruppe bleibt die Position jedoch so lange „unter Wasser“, bis Bitcoin wieder über dem realisierten Preis von rund 113.692 US-Dollar notiert, den Darkfrost für diese Kohorte errechnet. Der realisierte Preis beschreibt dabei den durchschnittlichen Einstandskurs der Coins, gemessen an der letzten On-Chain-Bewegung.

Parallel dazu zeigt sich institutionelles Interesse an Bitcoin weiterhin robust. Große Finanzakteure blicken trotz der laufenden Korrektur bereits auf einen möglichen Erholungspfad bis 2026, was den mittelfristigen Optimismus im Markt stützt.

Der Vermögensverwalter Grayscale interpretiert den aktuellen Rückgang als Hinweis auf einen lokalen Boden. In einer aktuellen Einschätzung heißt es, dass eine anschließende Erholung bis 2026 das traditionelle Vierjahreszyklus-Narrativ bei Bitcoin in Frage stellen könnte.

Die Rolle der Spot-Bitcoin-ETFs im Abverkauf wird derweil relativiert. Der Bloomberg-ETF-Analyst Eric Balchunas verweist auf Berechnungen, wonach die ETFs nur einen kleinen Teil des gesamten Verkaufsdrucks ausgemacht haben.

Nach deutlichen Abflüssen haben die US-Spot-Bitcoin-ETFs inzwischen wieder auf positive Nettoströme gedreht. Laut Zahlen von Farside Investors lagen die kumulierten Abflüsse im November noch bei etwa 3,48 Milliarden US-Dollar, dem zweitschlechtesten Monat seit Start.

In den letzten fünf Handelstagen verzeichneten die Produkte jedoch durchgehend Zuflüsse, zuletzt rund 58 Millionen US-Dollar an einem Tag. Damit hellt sich die kurzfristige Stimmung bei regulierten Bitcoin-Anlagevehikeln wieder auf.

Die Kapitalzuflüsse stehen im Zusammenhang mit dem flow-weighted cost basis der ETF-Investoren von rund 89.600 US-Dollar. Da Bitcoin wieder darüber notiert, liegen viele ETF-Käufer nicht mehr auf Buchverlusten, was Verkaufsdruck von dieser Seite reduziert.

Während Bitcoin-ETFs sich stabilisieren, zeigen andere Krypto-ETFs ein gemischtes Bild. Spot-Ether-ETFs verzeichneten zuletzt Abflüsse von etwa 9,9 Millionen US-Dollar, Solana-ETFs sogar Nettomittelabflüsse von rund 13,5 Millionen US-Dollar an einem einzigen Tag.

„ETFs waren nur etwa 3 % des gesamten Verkaufsdrucks an den Hochpunkten.“ – Eric Balchunas, ETF-Analyst bei Bloomberg

Wie beeinflussen unrealistische Verluste und ETF-Ströme den Bitcoin-Markt?

Die hohen unrealisierten Verluste kurzfristiger Trader deuten laut On-Chain-Analysen auf eine weit fortgeschrittene Kapitulationsphase hin. Wenn viele kurzfristige Marktteilnehmer mit Verlust verkaufen, kann dies den Markt bereinigen und Platz für langfristig orientierte Käufer schaffen.

Solche Phasen werden von professionellen Anlegern oft als Kontraindikator interpretiert. Je höher der aggregierte Buchverlust bei spekulativen Händen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ein lokaler Tiefpunkt zumindest näher rückt.

Die von Grayscale erwähnte mögliche Erholung bis 2026 ist vor diesem Hintergrund bedeutsam. Eine langanhaltende Aufwärtsphase, die sich nicht strikt an das bekannte Vierjahres-Halving-Schema hält, würde das bisherige zyklische Verständnis des Bitcoin-Marktes infrage stellen.

Für institutionelle Anleger könnte dies den strategischen Umgang mit Bitcoin verändern. Anstatt primär Halving-Zyklen zu handeln, könnten makroökonomische Faktoren, ETF-Zuflüsse und regulatorische Entwicklungen stärker in den Vordergrund rücken.

Die ETF-Ströme wirken als zusätzlicher Marktmechanismus. Sobald der Marktpreis unter den durchschnittlichen Einstiegskosten der ETF-Investoren liegt, steigt das Risiko von Abflüssen, weil Anleger Verluste begrenzen wollen oder Vertrauen verlieren.

Umgekehrt können Kursanstiege über diese Kostenbasis, wie aktuell über etwa 89.600 US-Dollar, ETF-Anleger wieder in die Gewinnzone bringen. Das schafft die Grundlage für neue Zuflüsse, weil der Anlagecase bestätigt wirkt und psychologischer Druck abnimmt.

Die Feststellung von Eric Balchunas, dass ETFs nur rund 3 % des Verkaufsdrucks an den Hochs ausmachten, unterstreicht, dass die Marktstruktur deutlich breiter ist. Der Großteil des Angebots stammt weiterhin von nicht regulierten Märkten und privaten Wallets.

Damit relativiert sich die Befürchtung, ETFs könnten alleine starke Abwärtsphasen auslösen. Vielmehr sind sie ein Kanal unter vielen, der Liquidität bereitstellt, aber das Gesamtbild aus On-Chain-Daten, Derivatemärkten und Makrotrends nicht ersetzt.

Die Abflüsse bei Ether- und Solana-ETFs zeigen zudem eine unterschiedliche Risikowahrnehmung. Während Bitcoin zunehmend als digitales Basisasset mit institutioneller Akzeptanz gilt, reagieren Anleger bei alternativen Layer-1-Assets offenbar sensibler auf Marktkorrekturen.

In Summe weisen die gleichzeitigen hohen Buchverluste bei kurzfristigen Tradern und die wieder positiven ETF-Ströme darauf hin, dass eine Phase der Marktbereinigung im Gange ist. Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Boden entsteht, hängt jedoch von der weiteren Nachfrage und der makroökonomischen Umgebung ab.

Fazit

Entscheidend wird nun, ob sich die jüngsten ETF-Zuflüsse verstetigen und ob Bitcoin ausreichend Kaufkraft mobilisieren kann, um die aktuelle Kapitulationsphase in eine tragfähige Erholung in Richtung des von Analysten avisierten 2026-Aufwärtstrends zu überführen.

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