In der dynamischen Welt der Startups spielt die Erste Group Bank AG eine Schlüsselrolle im österreichischen Innovationsökosystem. Seit 2016 führt Ingo Bleier als Vorstand für Corporates & Markets die strategische Entwicklung und Digitalisierung im Firmenkundengeschäft. In einem Interview bei den Storm.Days 2026 äußerte er sich zur aktuellen Lage und Zukunft des Startup-Ökosystems in Österreich.
Der Wert von Flexibilität in der Unternehmensgestaltung
Ein zentrales Thema ist die FlexCo, eine noch relativ neue Unternehmensform, die laut Bleier Potential hat, aber als “zartes Pflänzchen” betrachtet werden muss. Sie ermöglicht eine flexible Beteiligung der Mitarbeiter an Unternehmenserfolgen. Die Erste Group hat in diesem Bereich bereits Fortschritte gemacht, indem sie jährlich Aktien an alle Mitarbeiter vergibt. Diese Maßnahme trägt dazu bei, ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verantwortung zu schaffen, das dringend benötigt wird, um Talente zu halten und zu fördern.
Herausforderungen für Investitionen in österreichische Startups
Die immer wiederkehrende Diskussion um die Zurückhaltung internationaler Investoren wirft ein Licht auf die Rahmenbedingungen in Österreich. Bleier betont, dass die Begrenztheit im privaten Kapitalmarkt, insbesondere durch restriktive steuerliche Anreize, ein großes Problem darstellt. Es sei entscheidend, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass sie Investitionen in Wachstum ermöglichen. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören steuerliche Anreize für private Investoren und die Förderung eines kapitalgedeckten Pensionssystems, das langfristige Investments anziehen könnte.
Die Rolle der Forschung und Entwicklung
Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die Innovationskraft Österreichs. Bleier ist überzeugt, dass die hohen Forschungs- und Entwicklungsquoten sowie die starken Universitäten im Land eine solide Grundlage bieten, um internationale Investoren zurückzugewinnen. Doch um diese Innovationskraft besser zu vermarkten und sichtbar zu machen, bedarf es eines effektiven Ökosystems und der richtigen Strukturen, die Spin-offs von Universitäten unterstützen.
Investieren im internationalen Kontext
Ein Dachfonds könnte helfen, das Kapitalangebot erheblich zu erweitern und einen internationalen Investitionsrahmen zu schaffen, der für Investoren attraktiv ist. Die Erste Group hält eine solche Struktur für notwendig, um den Kapitalmarkt in der Region zu stärken. Dabei solle der Fokus nicht nur auf kurzfristigen Gewinnen liegen, sondern auf einer gründlichen Sorgfaltsprüfung und Diversifikation der Investments.
Zukunftsausblick nach der Amtszeit
Ingo Bleier wird seine Position bei der Erste Group im Juni 2026 aufgeben und plant, sich zunächst ins Private zurückzuziehen. Nach über 30 Jahren im Bankwesen hat er ausreichend Erfahrung gesammelt, um zu erkennen, dass der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist. Dennoch sieht er die Zukunft der Erste Bank positiv, vor allem durch die jüngst getätigte Akquisition von 49 Prozent der Santander Bank Polska, die als die größte in der Unternehmensgeschichte gilt.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Österreichs Startup-Ökosystem vor Herausforderungen steht, die jedoch durch gezielte Maßnahmen und Verbesserungen in den Rahmenbedingungen bewältigt werden können. Die Erste Group spielt hierbei eine wichtige Rolle und ist bestrebt, nicht nur als Finanzpartner, sondern auch als aktiver Investor in die Zukunft der heimischen Unternehmen zu investieren. Bleiers Erkenntnisse und Visionen könnten somit entscheidend dafür sein, dass Österreich künftig wieder stärker im Fokus internationaler Investoren steht.
