Novora-Studie: Nur 1% der 150 Krypto-Protokolle legen Market-Maker-Konditionen offen

Krypto Markttransparenz steht erneut im Fokus: Eine Novora-Studie zeigt, dass kaum ein Protokoll seine Market-Maker-Deals offenlegt – mit direkten Implikationen für Risiko, Liquidität und Preisbildung von Tokens.

Kurz erklärt

Was ist passiert?

Die Beratungsfirma Novora hat mehr als 150 Krypto-Protokolle aus Bereichen wie DEX, Lending, Perps, L1/L2, Bridges und CEX-Token untersucht und dabei eine fast vollständige Intransparenz bei Market-Maker-Deals festgestellt. Über die gesamte Stichprobe hinweg offenlegte nur die dezentrale Liquiditätsplattform Meteora Details zu ihren Market-Making-Vereinbarungen.

Bemerkenswert: 91% der analysierten Protokolle generieren trackbare Einnahmen, aber nur 18% veröffentlichen Quartals-Updates und lediglich 8% erstellen Token-Holder-Reports, wodurch für Investoren eine strukturelle Informationslücke zur Beurteilung von Liquidität, Tokenomics und Handelsrisiken bestehen bleibt.

Die eigentliche Marktstory ist, dass fehlende Offenlegung von Market-Maker-Strukturen das wahrgenommene DeFi-Paradigma der Transparenz fundamental untergräbt.

Warum das wichtig ist

Novora bezeichnet diese fehlende Krypto Markttransparenz als die „konsequenteste Transparenzlücke der Industrie“, weil Market-Maker-Verträge in TradFi regulär offengelegt werden, während Krypto-Anleger ohne dieses zentrale Puzzleteil handeln müssen. Die Studie zeigt zudem, dass die Dateninfrastruktur mit über 85% Abdeckung durch Drittplattformen wie Artemis, Token Terminal, Dune und DefiLlama zwar vorhanden ist, aber kaum in systematischen Investor-Reports an Tokenhalter übersetzt wird.

Gerade das in der Studie genannte „Loan Option Model“, bei dem Projekte Market Makern Tokens leihen, kann bei mangelnder Krypto Markttransparenz zu massiven Interessenkonflikten führen, etwa wenn Market Maker durch Verkäufe geliehener Tokens kurzfristige Profite realisieren, während Projekt und Community mit Kursdruck, dünner werdender Liquidität und beschädigtem Vertrauen zurückbleiben.

„In Krypto operiert jeder Marktteilnehmer ohne diese Informationen“, warnt Novora-Gründer Connor King und verweist darauf, dass solche Vereinbarungen in traditionellen Märkten als wesentliche Verträge gelten.

🇩🇪 Der Blick auf den DACH-Raum

Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet die aufgezeigte geringe Krypto Markttransparenz, dass selbst bei Projekten mit hoher Marktkapitalisierung zentrale Risikofaktoren wie Token-Leihgeschäfte und Listing-Deals im Dunkeln bleiben. Während regulatorische Rahmen wie MiCA auf mehr Offenlegung drängen, sind viele der untersuchten DeFi- und Infrastruktur-Protokolle global strukturiert und fallen nur indirekt unter EU-Regeln, sodass DACH-Investoren sich stärker auf eigene Due Diligence und unabhängige Datenquellen verlassen müssen.

Wer über Neobroker, lokale Krypto-Börsen oder direkt Onchain in Tokens investiert, sollte deshalb nicht nur Preis- und Onchaindaten prüfen, sondern gezielt nach Token-Reports, IR-Updates und dokumentierten Market-Maker-Strukturen suchen – bei ausbleibender Krypto Markttransparenz ist eine konservativere Positionsgröße oft die einzig rationale Reaktion.

Ausblick: Was jetzt wichtig wird

In den nächsten 90 Tagen sollten Anleger besonders beobachten, welche Protokolle freiwillig mehr Krypto Markttransparenz schaffen, etwa durch detaillierte Token-Holder-Reports oder die Offenlegung von Market-Maker- und Listing-Deals. Speziell Sektoren wie Perpetual-Futures-Börsen und DEX, die laut Studie ohnehin bei Offenlegung und Value-Accrual-Mechanismen vorne liegen, könnten sich durch frühzeitige Transparenz-Offensiven positiv vom breiten Markt abheben und ein Signal an institutionelle Kapitalgeber senden.

Gleichzeitig bleibt das Risiko, dass schlecht strukturierte Token-Loans an Market Maker – insbesondere im „Loan Option Model“ – weiter für Kursverwerfungen sorgen, solange Krypto Markttransparenz nur aus Onchain-Daten, aber nicht aus klaren vertraglichen Offenlegungen besteht.

Key Takeaways

  • Die Novora-Analyse von über 150 Protokollen deckt auf, dass weniger als 1% Market-Maker-Konditionen offenlegen – ein massives strukturelles Defizit in der Krypto Markttransparenz.
  • 91% der Projekte erzielen trackbare Umsätze, aber nur 18% liefern Quartalsberichte und 8% Token-Reports, wodurch wesentliche Informationen für Risiko- und Bewertungsmodelle fehlen.
  • Loan-basierte Market-Maker-Modelle können starke Verkaufsanreize erzeugen und Kursdruck verstärken, wenn die zugrunde liegenden Verträge im Schatten bleiben.
  • Für DACH-Anleger heißt das: Krypto Markttransparenz aktiv einfordern, Third-Party-Daten intensiv nutzen und Projekte ohne klare Offenlegung bei Positionsgröße, Haltedauer und Risikobudget entsprechend konservativ einstufen.
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