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RWA-Tokenisierung: Institutionen schaffen neue Gatekeeper trotz Dezentralisierungs-Versprechen

RWA Tokenisierung verschiebt sich weg von geschlossenen, zentralisierten Krypto-Strukturen hin zu öffentlichen Ethereum-Rollups – mit direkten Folgen für Marktstruktur und Investorenmacht.

Kurz erklärt

  • Was: Debatte, ob tokenisierte Real-World-Assets auf permissioned Chains oder öffentlichen Rollups abgebildet werden sollen.
  • Wer: Joaquin Mendes, COO von Taiko, kritisiert neue Krypto-Gatekeeper wie private Chains und zentrale Layer-2.
  • Datenpunkt: Der Markt für RWA Tokenisierung könnte laut Einschätzung des Autors auf ein Volumen in der Größenordnung von Billionen US-Dollar anwachsen.

Was ist passiert?

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob RWA Tokenisierung über permissioned Blockchains, zentralisierte Layer-2 und private Netzwerke läuft – oder über öffentliche, Ethereum-basierte Rollups, die ohne zentrale Gatekeeper auskommen. Mendes argumentiert, dass geschlossene Infrastrukturen die Logik des traditionellen Finanzsystems einfach onchain kopieren und damit das Potenzial der RWA Tokenisierung untergraben.

Institutionelle Schwergewichte wie BlackRock und Grayscale treiben die RWA Tokenisierung zwar voran, nutzen dafür jedoch häufig proprietäre oder stark kontrollierte Umgebungen. Laut Mendes droht so, dass ein RWA-Markt im potenziellen Volumen von mehreren Billionen US-Dollar zwar wächst, aber strukturell in denselben Machtverhältnissen gefangen bleibt, die die RWA Tokenisierung ursprünglich überwinden sollte.

Wer die RWA Tokenisierung auf zentralisierte Infrastrukturen sperrt, tauscht nur den Gatekeeper – aber nicht das System dahinter.

Warum das wichtig ist

Permissioned Blockchains und zentralisierte Layer-2 schaffen neue Single Points of Failure und erlauben die Kontrolle von Transaktionsreihenfolge, Zugang und Asset-Listing durch wenige Betreiber. Die RWA Tokenisierung läuft damit Gefahr, regulatorische Anforderungen als Vorwand zu nutzen, um wieder vollständige Kontrolle über Orderflow, Gebührenstrukturen und Nutzerdaten zu etablieren.

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Mendes sieht die Lösung in sogenannten Based Rollups, bei denen Ethereum-Validatoren das Sequencing übernehmen und Applikationen die Compliance-Ebene abbilden. Dadurch könne die RWA Tokenisierung regulatorische KYC- und Monitoring-Pflichten erfüllen, ohne zentrale Intermediäre einzubauen – ein entscheidender Unterschied für DeFi-Protokolle, die RWA Tokenisierung als besichertes Kollateral oder Renditequelle nutzen wollen.

„Die Mittelsmänner sind nicht verschwunden – sie sind nur onchain umgezogen.“

🇩🇪 Der Blick auf den DACH-Raum

Für Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist entscheidend, ob RWA Tokenisierung über neutrale, Ethereum-basierte Rollups oder über bankeigene, geschlossene Systeme läuft. In Kombination mit europäischen Regulierungsrahmen wie MiCA könnten offene Rollups für DACH-Anleger Zugang zu globalen RWA-Märkten bieten, ohne vollständig in die Blackbox einzelner Banken und Custody-Anbieter zu geraten.

Wer aus dem DACH-Raum früh versteht, welche Plattformen bei der RWA Tokenisierung auf öffentliche Rollups und welche auf private Chains setzen, kann sein Risiko-Rendite-Profil gezielt steuern und Abhängigkeiten von einzelnen Intermediären reduzieren.

Ausblick: Was jetzt wichtig wird

In den nächsten 90 Tagen sollten Investoren genau verfolgen, welche Emittenten von RWA Produkten auf Ethereum-Rollups mit transparenter Compliance-Schicht setzen und welche ihre Token nur in geschlossene Ökosysteme listen. Entscheidend wird sein, ob Protokolle und Plattformen die RWA Tokenisierung so strukturieren, dass Assets permissionless handelbar bleiben und sich nahtlos in DeFi-Liquidity-Pools integrieren lassen.

Ebenfalls relevant: Ob Regulatoren öffentlich klarstellen, dass Compliance auf der Applikationsebene öffentlicher Chains ausreichend ist. Je mehr politische und institutionelle Signale in diese Richtung gehen, desto stärker kann sich eine wirklich offene RWA Tokenisierung durchsetzen – und desto geringer wird die Verhandlungsmacht neuer, vermeintlicher Onchain-Gatekeeper.

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Key Takeaways

  • Die RWA Tokenisierung steht an einem Scheideweg zwischen offenen Ethereum-Rollups und geschlossenen, permissioned Infrastrukturen.
  • Zentralisierte Layer-2 und private Chains riskieren, alte Gatekeeper-Strukturen onchain zu reproduzieren und Markt­zugang zu beschneiden.
  • Based Rollups erlauben RWA Tokenisierung mit regulatorischer Compliance auf Applikationsebene, ohne Single Points of Failure zu schaffen.
  • DACH-Investoren sollten bevorzugt RWA-Projekte prüfen, die auf öffentliche Rollups setzen, um Zugang, Liquidität und Interoperabilität langfristig zu sichern.

Sebastian Knell

Sebastian Knell – DeFi-Kolumnist - Sebastian analysiert dezentrale Finanzsysteme (DeFi) und erklärt, wie Blockchain-basierte Finanzlösungen funktionieren. Er hat Erfahrung im Bankwesen und Fintech und schreibt über Kreditprotokolle, automatisierte Handelsstrategien und smarte Verträge. Seine Artikel bieten klare Erklärungen für Anleger und Entwickler, die DeFi besser verstehen wollen.

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