Zerolend schließt: Gründer erklärt Protokoll für „nicht tragbar“

Der Begriff DeFi Lending bekommt mit der Schließung von ZeroLend einen Reality-Check: Ein prominentes Protokoll gibt auf, weil sein Modell auf illiquiden Layer-2-Chains nicht mehr tragfähig ist.

Kurz erklärt

Was ist passiert? Der Fall ZeroLend im DeFi Lending

ZeroLend, ein dezentrales Protokoll für DeFi Lending auf Ethereum-Layer-2-Netzwerken, wird komplett abgewickelt. Gründer „Ryker“ erklärt, dass mehrere der unterstützten Chains inzwischen „inaktiv oder deutlich weniger liquide“ sind und der Betrieb so nicht mehr nachhaltig möglich ist.

Gerade im DeFi Lending sind funktionierende Orakel entscheidend, doch einige Provider stellten ihren Support auf bestimmten Netzwerken ein. In Kombination mit dünnen Margen, wachsendem Angriffsvektor durch Hacker und Scammer sowie anhaltenden Verlustphasen blieb ZeroLend letztlich nur der kontrollierte Rückzug.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie brutal dieser Konsolidierungsdruck im DeFi Lending ist: Der Total Value Locked von ZeroLend stürzte von fast 359 Millionen US-Dollar im November 2024 auf nur noch 6,6 Millionen US-Dollar ab, was das schrumpfende Vertrauen und die wegbrechende Nutzung auf illiquiden Chains klar widerspiegelt.

DeFi Lending wirkt auf den ersten Blick wie passives Zins-Einkommen, ist in der Praxis aber ein hochzyklischer, sicherheitskritischer und stark netzwerkabhängiger Markt.

Warum das wichtig ist: Marktstruktur und Risiken im DeFi Lending

„Trotz der anhaltenden Bemühungen des Teams ist klar geworden, dass das Protokoll in seiner aktuellen Form nicht mehr nachhaltig ist“, so ZeroLend-Gründer „Ryker“ in einem Statement auf X.

Für Investoren zeigt der Kollaps von ZeroLend, dass DeFi Lending stark von Liquidität, Orakel-Infrastruktur und der Vitalität der zugrunde liegenden Chains abhängt. Wenn ein Protokoll mit einst knapp 359 Millionen US-Dollar TVL im DeFi Lending-Bereich auf 6,6 Millionen US-Dollar zusammenschrumpft, ist das ein klares Signal, wie schnell Ertragsmodelle auf Neben-Chains kippen können.

Hinzu kommt: Je größer ein DeFi Lending-Protokoll wird, desto stärker zieht es auch Angreifer an – ZeroLend kämpfte unter anderem mit einem Exploit auf einem Bitcoin-Produkt auf der Base-Chain. Der geplante Teil-Refund betroffener Supplier über einen Airdrop-Anteil zeigt zwar guten Willen, ändert aber nichts am Kernrisiko für Kapitalgeber im DeFi Lending.

Ryker ruft Nutzer auf, verbleibende Gelder zeitnah abzuziehen, da auf manchen illiquiden Chains Assets potenziell feststecken könnten. Die geplanten Smart-Contract-Upgrades zur Umverteilung solcher Mittel sind ein weiterer Hinweis, wie fragil Kapitalströme im DeFi Lending-Ökosystem sein können, wenn die zugrunde liegende Liquidität austrocknet.

🇩🇪 Der Blick auf den DACH-Raum

Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Fall ZeroLend ein Mahnsignal, DeFi Lending-Risiken jenseits von Nominalzinsen zu bewerten: Chain-Liquidität, Orakel-Support und Sicherheits-Historie werden zu Schlüsselkriterien. In einem Umfeld zunehmender Regulierung und möglicher MiCA-Umsetzung sollten DACH-Investoren stärker zwischen zentral regulierten Krypto-Kreditprodukten und unreguliertem DeFi Lending unterscheiden und ihre Allokation bewusst begrenzen.

Ausblick: Was jetzt wichtig wird

In den nächsten 90 Tagen wird sich zeigen, ob weitere kleinere DeFi Lending-Protokolle auf illiquiden oder kaum genutzten Layer-2-Chains ähnliche Schritte gehen müssen. Für Anleger bedeutet das: Fokus auf Protokolle mit hoher Onchain-Liquidität, aktiv gepflegter Orakel-Infrastruktur und klarer Sicherheitsbilanz sowie Vorsicht bei aggressiven Renditeversprechen, die stark von fragilen Neben-Chains abhängen.

Key Takeaways

  • ZeroLend schließt nach rund drei Jahren, weil DeFi Lending auf illiquiden Layer-2-Chains und ohne stabilen Orakel-Support nicht mehr profitabel zu betreiben war.
  • Der Absturz des TVL von fast 359 Millionen US-Dollar auf 6,6 Millionen US-Dollar zeigt, wie schnell Kapital im DeFi Lending abwandern kann, wenn Vertrauen und Nutzung sinken.
  • Für DACH-Anleger ist DeFi Lending nur mit striktem Risikomanagement sinnvoll: Chain-Risiko, Protokoll-Sicherheit und regulatorisches Umfeld müssen aktiv beobachtet werden.
  • Wer im DeFi Lending bleibt, sollte in den kommenden Monaten verstärkt auf Konsolidierungstendenzen, weitere Schließungen kleinerer Protokolle und Reaktionen der großen Player achten.
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