Irans Zentralbank und der geheime Kauf von Stablecoins

Digitale Währungen als letzte Hoffnung: Wie der Iran mit Stablecoins gegen Inflation und internationale Isolation kämpft.

Im Iran stehen die Bürger vor enormen Herausforderungen, ausgelöst durch eine anhaltende wirtschaftliche Krise. Der Wert des Rial hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen, und der Alltag vieler Iraner wird zunehmend von der Inflation geprägt. Während einige im Land veröffentlichte Statistiken zeigen, dass die Inflation im Dezember 2025 einen alarmierenden Wert von 42,5 Prozent erreicht hat, wurden die Lebensmittelpreise um erschreckende 72 Prozent erhöht. Dies hat zu landesweiten Protesten geführt, die in den Rücktritt des Zentralbankchefs mündeten.

Kryptowährungen als Überlebensstrategie

Inmitten dieser Krise haben viele Iraner begonnen, auf Stablecoins zurückzugreifen, um ihre Ersparnisse zu schützen. Schätzungen zufolge nutzen mittlerweile 22 Prozent der Bevölkerung Kryptowährungen, um dem wachsenden Wertverlust des Rial zu entkommen. Die Umwandlung von Rial in Tether (USDT) wird für viele zu einer der wenigen Möglichkeiten, finanzielle Stabilität zu wahren.

Der Einfluss der Regulierung auf den Kryptomarkt

Die iranische Regierung hat auf die verbreitete Nutzung von Kryptowährungen im September 2025 reagiert, indem sie restriktive Maßnahmen einführte. Ein Limit von 5.000 US-Dollar pro Person und Jahr für Stablecoin-Käufe sollte den Zugang zu digitalen Währungen einschränken. Diese Regulierungen hatten jedoch den gegenteiligen Effekt: Die Nachfrage nach Dollar stieg insgeheim und führte zu einem florierenden illegalen Markt, in dem Bargeld angeboten wurde, um die Limits zu umgehen.

Sanktionen und internationale Beobachtung

Die internationale Gemeinschaft verfolgt die Entwicklung im Iran mit Besorgnis. Israels Verteidigungsministerium ergriff im September 2025 Maßnahmen zur Beschlagnahmung von 187 Krypto-Wallets, die mit der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) assoziiert sind. Diese Wallets waren im Zusammenhang mit erheblichen Geldbewegungen in USDT aktiv. Der Druck auf den Iran intensiviert sich nicht nur durch interne Maßnahmen, sondern auch durch internationale Sanktionen, die die wirtschaftliche Lage des Landes weiter komplizieren.

Ökonomische Auswirkung und Zukunftsperspektiven

Die wirtschaftlichen Zahlen sprechen für sich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Irans hat sich in den letzten Jahren dramatisch verringert und wird für 2026 einen weiteren Rückgang von 2,8 Prozent erwarten. Gleichzeitig fließen geschätzte 1,4 Prozent des BIP durch Krypto-Kanäle, was die wachsende Bedeutung der digitalen Währungen in einem von Krisen erschütterten Land unterstreicht. Diese Parallelwirtschaft könnte sich weiter ausweiten, während der Rial weiterhin an Wert verliert.

Ein gespaltenes Bild der Krypto-Nutzung

Die Krypto-Nutzung im Iran ist facettenreich. Auf der einen Seite stehen die Bürger, die versuchen, ihre Ersparnisse zu retten. Auf der anderen Seite sind staatliche Akteure und Einzelpersonen, die digitale Währungen für Sanktionsumgehung und möglicherweise sogar für Terrorfinanzierung nutzen. In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage, inwiefern die Krypto-Ökonomie eine Hilfe für die breite Bevölkerung ist oder ob sie gleichzeitig als Werkzeug für illegale Aktivitäten dient.

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