Warum Hongkong die Umschuldung wieder auf die gesetzgeberische Tagesordnung setzen sollte

Im Januar dieses Jahres versammelten sich Journalisten, Unternehmensberater und Restrukturierungsspezialisten in Hongkong, um an der Liquidationsanhörung von Evergrande teilzunehmen. Dieser wegweisende Fall, in dem Chinas einst größter Immobilienentwickler mit Verbindlichkeiten von über 300 Milliarden US-Dollar konfrontiert war, hat die Debatte über die Umschuldungsgesetze des Territoriums wieder angeheizt. Seit dem Beginn der Immobilienkrise in China wurden mehr als 20 chinesische Entwickler in Hongkong von Liquidationsanträgen betroffen, und mindestens fünf wurden zur Liquidation verurteilt.
Die Liquidationsverfahren, oft als „nukleare Option“ bezeichnet, bieten den Gläubigern wenig bis gar keine Rendite und können sich über viele Monate hinziehen. Experten sind der Meinung, dass Hongkongs rechtlicher Rahmen im Vergleich zu Finanzzentren wie London, New York und Singapur unzureichend ist, wenn es um alternative Umschuldungsoptionen geht.
Seit über 20 Jahren wird in Hongkong über die Einführung eines Restrukturierungsgesetzes diskutiert, um Lösungen für Schuldenprobleme zu schaffen. Es fehlt jedoch an Konsens darüber, was dieser Gesetzesentwurf enthalten sollte. Der letzte Vorstoß, ein solches Gesetz einzuführen, erfolgte im Jahr 2020, wurde jedoch aufgrund anderer gesetzgeberischer Prioritäten auf Eis gelegt.
Experten betonen die Dringlichkeit, den Gesetzesentwurf wieder auf die Tagesordnung zu setzen, insbesondere da Offshore-Gläubiger zunehmend die Gerichte in Hongkong nutzen, um chinesische Entwickler unter Druck zu setzen, ihre Umstrukturierungspläne zu beschleunigen. Angesichts der massiven ausstehenden Dollar-Anleihen chinesischer Entwickler und der steigenden Zahl von Insolvenzanträgen wäre ein Restrukturierungsgesetz von entscheidender Bedeutung, um sowohl Unternehmen als auch Gläubigern Vorteile zu bringen und den Prozess der Umschuldung zu erleichtern.



