Bundeswehr: Deutschland als Nato-Drehkreuz

Bundeswehr-Übung für Ernstfall: Wenn Hunderte Panzer durch Deutschland rollen
von Jan Schneider und Nils Metzger
27.03.2024 | 19:06 Uhr
Die Nato bereitete sich auf einen Angriff Russlands vor. Deutschland wäre dann Knotenpunkt für die Verlegung von Soldaten und Geräten. Wie würde so ein Truppentransport ablaufen?
Quadriga-Übung: Bundeswehr bereitete sich auf Ernstfall vor
Auf alles muss sich Deutschland vorbereiten. Zwar sind für strategische Verlegungen auch durch fremde Länder prinzipiell die verschiedenen Nato-Staaten selbst verantwortlich, aber kann Deutschlands Infrastruktur all das nicht aufnehmen, kann ein potenzieller Bündnisfall schnell im Chaos versinken. Bilder von endlosen Konvois, die auf dem Weg an die Ostflanke die Straßen verstopfen – genau das gilt es zu verhindern. Und das übt die Bundeswehr in diesen Tagen im Rahmen ihrer Quadriga-Übung.
Wie ist der Transport per Bahn geregelt?
Bei der Verlegung per Zug werden Fahrzeuge auf sogenannte Flachwagen geladen. Die Besatzung reist getrennt von ihrem Gerät etwa per Flugzeug zum Einsatzort. Solche Bahntransporte benötigen eine gewisse Vorlaufzeit; Meist rund einen Monat heißt es aus der Truppe. Die Bundeswehr muss sich knappe Kapazitäten mit der Industrie teilen.
Auch andere Streitkräfte bauen auf die Bahn
Neben den Kräften der Bundeswehr sollen auch die Verlegung verbündeter Streitkräfte über die Bahn laufen. Der Vertrag erwähnt dabei sowohl Transporte für Militäreinheiten aus anderen Nato- und EU-Mitgliedstaaten als auch UN-mandatierte Truppen. Um schnell an die Ostflanke der Nato zu gelangen, wurden dazu zum Beispiel Unternehmen der litauischen und polnischen Staatsbahn als Subunternehmen verpflichtet.
Was steckt hinter der Idee des „militärischen Schengens“?
Seit Mitte der 90er-Jahre regiert das Schengen-Abkommen die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten in Bereichen wie der Visumspolitik. Im sogenannten Schengen-Raum können Bürgerinnen und Bürger der teilnehmenden Länder frei reisen, ohne an den Binnengrenzen kontrolliert zu werden.
Für Grenzübertritte von Militärfahrzeugen und Konvois gelten die Schengen-Regeln allerdings nicht. Hier ist aktuell noch ein gewisser bürokratischer Aufwand nötig. In Deutschland muss etwa jede Ankunft von Kriegsgerät mit der Bundespolizei abgestimmt werden. Auch darf die Bundeswehr nicht ohne Genehmigung Truppen etwa durch Polen verlegen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, arbeiten die Nato-Staaten Polen, Deutschland und die Niederlande gerade an einem „militärischen Schengen-Raum“, in dem das Gerät über vorher festgelegte Korridore transportiert werden darf. Das Abkommen soll unter anderem dazu beitragen, einen Hilfskorridor für die Ukraine zu schaffen und die Unterstützung für die Ostflanke der Nato zu sichern.



