Eine große Überraschung und Unsicherheit: Argentinien steht vor der Stichwahl

Überraschendes Ergebnis in der argentinischen Vorwahl: Sergio Massa schlägt Erwartungen
BUENOS AIRES – Trotz Rekordinflation und hoher Armutsraten in Argentinien hat der argentinische Wirtschaftsminister Sergio Massa bei den Vorwahlen überraschend die meisten Stimmen erhalten. In der ersten Wahlrunde setzte er sich gegen seinen Gegner, den wildhaarigen Libertären Javier Milei, durch. Massa tritt nun in einer Stichwahl gegen Milei an, der versprochen hat, die Staatsausgaben zu kürzen und die Wirtschaft auf den Dollar umzustellen. Was hat zu diesem überraschenden Ergebnis geführt und was können wir von der Stichwahl erwarten?
Warum die Überraschung?
Massa und die herrschende peronistische Bewegung wurden aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und der hohen Armut in Argentinien als Außenseiter angesehen. Dennoch erhielt Massa mit knapp 37 Prozent der Stimmen den ersten Platz, während Milei rund 30 Prozent erzielte. Analysten sehen dies als ein Zeichen für die Angst vor Milei, aber auch als Ausdruck der anhaltenden Unterstützung für die peronistische Sozialbewegung. Zudem hat Massa mit populistischen Maßnahmen wie der Verteilung von Prämien und Steuersenkungen viele Wähler angezogen.
Wie hat Massa das geschafft?
Experten zufolge beruht Massas Erfolg auf einer Kombination aus der Angst vor Milei, der traditionellen Unterstützung für die peronistische Bewegung und populistischen Maßnahmen, um Wählerstimmen zu gewinnen. Während Milei verspricht, die Staatsausgaben zu kürzen und radikale Reformen durchzuführen, betonte Massa die potenziell negativen Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Geldbeutel der Menschen. Viele Argentinier sind besorgt, dass die Kürzung von Sozialleistungen, von denen Millionen Menschen abhängig sind, zu großem Verlust führen könnte. Massa hingegen präsentierte sich als Politiker, der unmittelbar positive wirtschaftliche Maßnahmen umsetzt, die den Menschen zugutekommen.
Wo ist Milei sonst noch gescheitert?
Milei hat mit seinen kontroversen Standpunkten bei vielen Argentiniern keinen Anklang gefunden. Er ist gegen Abtreibung, befürwortet den Besitz von Waffen und den Verkauf von Organen und leugnet den Zusammenhang zwischen menschlicher Aktivität und dem Klimawandel. Zudem bezeichnete er Papst Franziskus als das „Böse auf Erden“. Diese Ansichten passen nicht zur argentinischen Gesellschaft, die eher progressive Werte vertritt. Milei’s Erfolg beruht somit eher auf seiner Anti-Establishment-Rhetorik als auf seinen konservativen Standpunkten.
Was können wir von der Stichwahl erwarten?
Am 19. November treten Milei und Massa in der Stichwahl um das Präsidentenamt an. Dies wird für die Wirtschaft des Landes zu wochenlanger Unsicherheit führen. Analysten betonen, dass Milei mit seinem zweiten Platz in der ersten Runde eine historische Leistung erbracht hat. Allerdings wird es für ihn nun schwierig sein, seine Position zu halten. Er muss auf die Mitte zugehen und versuchen, Wählerstimmen zu gewinnen. Massa wiederum versucht, enttäuschte Wähler für sich zu gewinnen und betont seinen demokratischen und stabilen Regierungsstil. Der Wahlkampf verspricht äußerst polarisierend zu sein, da beide Kandidaten versuchen werden, die Wähler durch Angst zu mobilisieren. Die Regierungspartei hat gute Chancen, zu gewinnen, es sei denn, die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiter, was der Opposition die Möglichkeit geben könnte, zu siegen.



