Zwei russische Flugzeuge abgeschossen, Verdacht auf Russland? Kürzer: Zwei russische Flugzeuge abgeschossen, Verdacht auf Russland?

„Menschliches Versagen“ bei Russlands Flugabwehr?
Demnach könnte die russische Flugabwehr selbst für die Abschüsse der Flugzeuge über das Asowschen Meer verantwortlich sein. Russische Luftverteidigungssysteme, die eigentlich die Kertsch-Brücke zwischen der Halbinsel Krim und dem russischen Festland schützen sollten, hätten die Berichte angeblich auf die eigenen Flugzeuge abgefeuert. Besonders kurios mutet die Aussage eines Militärbloggers an, der behauptet, diese Informationen seien von der Luftwaffe selbst an ihre Piloten ausgegeben worden, um diese davon zu überzeugen, dass Einsätze über dem Asowschen Meer weiterhin sicher sind. Der Vorfall soll als bloßer „Bedienungsfehler“ heruntergespielt werden. „Menschliches Versagen“, kommentierte der Blogger auf dem Messengerdienst Telegram. „Damit werden die Soldaten der Luft- und Raketenabwehrkräfte zynisch gedemütigt“, fügt er hinzu. Die russische Logik scheint auch zu sein: Der Verlust unserer Flieger ist zwar nicht gut, aber wenn er durch die eigene Flugabwehr herbeigeführt wurde, dann demonstriert das immerhin die Funktionstüchtigkeit der Waffensysteme. Stimmt diese Darstellung, würde die russische Luftwaffe und Flugabwehr ein desolates Bild abliefern. „Es ist unklar, warum sich die russischen Piloten mit dem Gedanken anfreunden sollten, dass ihre bodengestützten Luftverteidiger so inkompetent sind“, schreiben die Experten des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW). Völlig ungewöhnlich wäre dies jedoch nicht. Russland hatte bereits in der Vergangenheit eigene Jets abgeschossen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Hat die Ukraine die russischen Flugzeuge abgeschossen?
Die Ukraine wiederum behauptet, die Militärflieger selbst abgeschossen zu haben. Unklar bleibt jedoch, mit welcher Waffe die Ukrainer den Abschuss erzielt haben wollen. Denn das Asowsche Meer liegt weit hinter der Front: Rund 120 Kilometer trennen die Küste von der Gefechtslinie in der Ukraine. Experten halten Lenkflugkörper des US-amerikanischen Patriot-Systems, das der Ukraine im vergangenen Jahr von Deutschland und den USA zur Verfügung gestellt wurde, für die wahrscheinlichste Waffe. Der Militärexperte Justin Bronk vom britischen Royal United Services Institute (RUSI) sagte dem „Spiegel“, dass es wohl um Patriot-Raketen gehandelt haben könnte. Allerdings wäre dies „ein Einsatz am Rande der effektiven Reichweite von Patrioten“ gewesen, so Bronk. Die Startvorrichtung des Systems müsste dazu sehr dicht an der Front stehen – und wäre damit gleichzeitig ein leichtes Ziel für russische Angriffe. Iwan Stupak, Berater des Ausschusses für Sicherheit, Verteidigung und Nachrichtendienste im ukrainischen Parlament, unterstützte im Gespräch mit dem US-Medium „Newsweek“ diese These. Seine Aussage besagt, dass es ein Patriot-System ist, das von der Ukraine mobil eingesetzt wird. „Die Besatzung wartet darauf, russische Flugzeuge abzufangen und zu zerstören“, sagte Stupak. Sobald eine Rakete auf ein russisches Flugzeug abgeschossen wurde, würde sich die Besatzung mit dem System zurückziehen und verstecken. Dieser Vorgang dauert laut Aussage Stupaks lediglich 20 Minuten.
