Strategy Bitcoin-Plan: $42 Mrd. Verkaufsszenarien erklärt

Strategy, der größte Unternehmenshalter von Bitcoin, hat einen klar definierten Notfallplan vorgestellt, unter welchen Bedingungen das Unternehmen trotz Langfrist-Strategie einen Teil seiner rund 650.000 BTC verkaufen würde.
Kurz erklärt
- Strategy verknüpft Kapitalerhöhungen mit Bitcoin-Käufen und definiert BTC-Verkäufe ausdrücklich als „letztes Mittel“.
- CEO Phong Le würde nur verkaufen, wenn der Marktwert der Aktie auf oder unter den Wert des Bitcoin-Vermögens fällt und Kapitalzugang deutlich abreißt.
- Strategy hält rund 650.000 BTC (über 3 % der maximalen 21-Millionen-Supply) und beobachtet vor allem das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Bitcoin-Wert (mNAV).
Was ist der Bitcoin-Plan von Strategy und was hat sich geändert?
Strategy, ehemals MicroStrategy, hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem „Bitcoin Treasury Company“-Modell entwickelt und betrachtet Bitcoin als primären Treasury-Reserve-Asset. Das Unternehmen nutzt klassische Kapitalmärkte, um Mittel einzuwerben und diese weitgehend in BTC zu konvertieren.
Als Kennzahlen stehen dabei insbesondere „Bitcoin per Share“ (BPS) und das Marktwert-zu-Bitcoin-Verhältnis (mNAV) im Fokus. Solange mNAV über 1 liegt, handelt die Aktie mit einem Aufschlag auf den Wert der Bitcoin-Reserven, was weitere Emissionen von Aktien und bevorzugten Aktien mit relativ geringer Verwässerung ermöglicht.
Neu ist eine explizit formulierte Notfallregel: CEO Phong Le erklärt, dass Bitcoin-Verkäufe nur als „Last Resort“ in Betracht kommen. Hintergrund ist, einen klaren Mechanismus zu definieren, falls das bestehende Modell aus Kapitalaufnahme und BTC-Akkumulation in einer Stressphase unter Druck gerät.
„Ein Bitcoin-Verkauf ist eine Option des ‚letzten Mittels‘, die nur geprüft würde, wenn unser mNAV unter 1 sinkt und der Zugang zu frischem Kapital sich wesentlich verschlechtert.“ – Phong Le, CEO von Strategy
Wie funktioniert Strategys Bitcoin-Modell und warum ist der mNAV-Trigger so wichtig?
Im Tagesgeschäft folgt Strategy einem einfachen finanziellen Kreislauf: Das Unternehmen platziert gewöhnliche Aktien über sogenannte At-the-Market-Programme, gibt mehrere Serien ewiger Vorzugsaktien wie STRK und STRF aus und nutzt bei Bedarf wandelbare Anleihen. Ein erheblicher Teil dieser Mittel wird in Bitcoin investiert.
Der Werttreiber für Aktionäre ist, dass pro Aktie mehr Bitcoin hinterlegt wird (steigender BPS) und die Marktkapitalisierung über dem reinen BTC-Wert liegt (mNAV > 1). In diesem Szenario wirkt die Aktie für viele traditionelle Anleger wie ein gehebeltes Bitcoin-Exposure, ohne selbst BTC halten zu müssen.
Der definierte „Kill Switch“ greift nur unter zwei gleichzeitigen Stressfaktoren: Erstens müsste die Marktkapitalisierung auf oder unter den Marktwert der gehalteten Bitcoin fallen (mNAV ≤ 1). Zweitens müsste sich der Zugang zu neuem Kapital deutlich eintrüben, etwa durch deutlich teurere Konditionen oder eine nur schleppende Platzierung neuer Aktien und Vorzugsaktien.
In einem solchen Doppelstress würde der Verkauf eines Teils der Bitcoin-Bestände zur Option, um Verpflichtungen wie Vorzugsdividenden und Schuldendienst zu bedienen. Damit würde der BTC-Verkauf zum Instrument zur Stabilisierung der Kapitalstruktur, nicht zu einem Strategiewechsel weg von Bitcoin.
Mehrere Faktoren könnten diesen Stressfall begünstigen: Schwerere oder länger anhaltende Rückgänge des Bitcoin-Preises drücken sowohl den Wert der Reserven als auch die Strategie-Aktie. Zuletzt fiel BTC von einem Allzeithoch um etwa 126.000 US-Dollar auf die Mitte der 80.000er, was bereits Druck auf mNAV und Kurs ausübte.
Parallel dazu haben Kursverluste der Aktie von rund 30–60 % gegenüber früheren Höchstständen die Prämie gegenüber dem reinen BTC-Wert eingeengt. Zwischenzeitlich handelte das Papier im November sogar in der Nähe oder leicht unter dem Spotwert der gehaltenen Bitcoin, was auf einen mNAV nahe 1 schließen lässt.
Hinzu kommen interne Verpflichtungen: Analysten verorten allein die jährlichen Vorzugsdividenden im Bereich von mehreren Hundert Millionen US-Dollar. Bleibt der Kapitalmarkt offen, kann Strategy diese aus laufenden und neuen Emissionen bedienen; weicht dieser Zugang, erhöht das den Druck auf die BTC-Reserve als mögliche Finanzierungsquelle.
Für den Gesamtmarkt ist entscheidend, dass selbst ein selektiver Bitcoin-Abverkauf durch Strategy in einen sehr liquiden Markt fallen würde. Täglich werden am Spot- und Derivatemarkt Volumina im zweistelligen Milliardenbereich gehandelt, US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen ebenfalls Zu- und Abflüsse in Milliardenhöhe pro Tag.
Entsprechend dürften etwaige Verkäufe, gemessen an den 650.000 BTC, eher schrittweise und zweckgebunden ausfallen, etwa zum Decken fälliger Zahlungen. Der Markt beginnt solche Szenarien zudem frühzeitig einzupreisen, wie die jüngsten Kursrückgänge bei BTC und der Strategy-Aktie sowie die Debatte um mNAV zeigen.
Anleger, die die weitere Entwicklung verfolgen wollen, finden die maßgeblichen Informationen in den Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC wie 8-Ks und Prospektnachträgen, in denen sowohl neue Kapitalerhöhungen als auch aktualisierte Bitcoin-Bestände aufgeführt sind. Ergänzend veröffentlicht das Unternehmen eigene Pressemitteilungen und führt eine transparente „Bitcoin Purchases“-Übersicht.
Fazit
Ob Strategy tatsächlich Bitcoin verkaufen muss, hängt in den kommenden Monaten vor allem davon ab, ob mNAV dauerhaft über 1 bleibt und der Kapitalmarkt dem Unternehmen weiterhin günstigen Zugang zu frischem Geld ermöglicht.

