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DeFi-Sektor mit 200 Mrd. TVL außerhalb neuer Regulierungs-Welle

DeFi Regulierung bleibt vorerst außen vor, während EU, USA und Institutionen den Druck auf zentrale Krypto-Intermediäre erhöhen – mit klaren Signalen für die nächste Phase des Marktes.

Kurz erklärt

  • Die EU fokussiert ihre neue Krypto-Steuerberichterstattung auf identifizierbare Intermediäre, nicht auf DeFi.
  • In den USA wird im Digital Commodity Intermediaries Act (DCIA) um den Umgang mit DeFi Regulierung gerungen.
  • DePIN-Sektor erreicht rund 10 Mrd. Dollar Bewertung und 72 Mio. Dollar Onchain-Umsatz trotz Bärenmarkt.

Was ist passiert?

Die EU setzt mit DAC8 und der Umsetzung des OECD Crypto Asset Reporting Framework (CARF) auf strengere Meldepflichten für Börsen und Verwahrer, lässt aber DeFi Regulierung bewusst außen vor. Stattdessen stehen klar identifizierbare Dienstleister im Fokus, die standardisierte Nutzerdaten an die Finanzbehörden liefern müssen.

Parallel dazu beobachten Regulierer weltweit, ob DeFi-Protokolle als „Virtual Asset Service Provider“ eingestuft werden können – ein möglicher Gamechanger für die DeFi Regulierung. In den USA bereiten Senatoren Änderungen am Digital Commodity Intermediaries Act vor, wobei insbesondere die technische und rechtliche Umsetzbarkeit von DeFi-Vorgaben strittig ist.

Gleichzeitig zeigt der Infrastrukturtrend DePIN, wie ein regulierungsnahes Narrativ neben der DeFi Regulierung Fahrt aufnimmt: Laut Messari hat der DePIN-Sektor etwa 10 Mrd. Dollar Marktgröße erreicht und im vergangenen Jahr rund 72 Mio. Dollar Onchain-Umsatz erzielt, was die wachsende Bedeutung realwirtschaftlich hinterlegter Krypto-Modelle unterstreicht.

Auf der Bitcoin-Seite zündet Citrea mit einem neuen ZK-Rollup einen weiteren Diskussionspunkt für die DeFi Regulierung, indem BTC als Basis-Collateral für Lending, strukturierte Produkte und einen nativen Stablecoin ctUSD genutzt wird – und damit erneut die Frage nach der optimalen Nutzung von Bitcoin-Blockspace aufwirft.

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Die eigentliche Story liegt darin, dass enge Regulierung für zentrale Player die DeFi Regulierung zum strategischen Schachbrett für die nächste Phase institutioneller Krypto-Adoption macht.

Warum das wichtig ist

Für Anleger bedeutet der EU-Fokus auf zentralisierte Intermediäre, dass Compliance-Druck und Meldepflichten vor allem CeFi treffen, während DeFi Regulierung zeitlich hinterherläuft. Dieses Regulierungsgefälle kann kurzfristig Renditechancen in Protokollen eröffnen, die bewusst ohne klar identifizierbare Betreiberstruktur agieren.

Langfristig ist aber absehbar, dass Steuer- und AML-Behörden ihre Definitionen ausweiten und damit eine nachträgliche DeFi Regulierung durchsetzen wollen – wer heute investiert, muss dieses regulatorische „Closing of the Gap“ einkalkulieren. Die DePIN-Zahlen von rund 10 Mrd. Dollar Bewertung und 72 Mio. Dollar Umsatz zeigen zudem, dass Kapital zunehmend in Modelle fließt, die regulatorisch leichter greifbar sind als klassische, anonyme DeFi-Protokolle.

Institutionelle Programme wie die Kooperation zwischen Animoca Brands Japan und RootstockLabs verdeutlichen, wohin der Trend in der DeFi Regulierung geht: Bitcoin-basierte Treasury-Lösungen für Unternehmen, eingebettet in klar definierte Strukturen. Für viele Corporate-Treasuries ist das attraktiver als rein anonyme Yield-Farmen – und setzt damit DeFi-Regulierung indirekt über institutionelle Anforderungen durch.

In den USA signalisiert die Debatte um den DCIA, dass DeFi Regulierung zum zentralen Konfliktpunkt im Marktstruktur-Gesetz wird, während Bitcoin-Rollups wie Citrea den technischen Druck erhöhen, neue Anwendungsfälle mit rechtlichen Klarstellungen abzugleichen. Je größer die Onchain-Liquidität und Komplexität auf Bitcoin, desto stärker wird der Ruf nach klarer DeFi Regulierung auf Protokoll- und Schnittstellenebene werden.

„DePIN entwickelt sich hin zu einem Infrastruktur-Business, in dem Nutzung und Cashflows wichtiger sind als Token-Preise“, resümiert der Messari-Bericht – ein Kontrast zu vielen DeFi-Protokollen, die noch immer stark von Token-Spekulation getrieben sind.

🇩🇪 Der Blick auf den DACH-Raum

Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist entscheidend, dass nationale Finanzämter DAC8 und CARF nutzen werden, um Krypto-Erträge über zentralisierte Anbieter viel granularer zu erfassen. Wer weiter an nicht-regulierter DeFi-Exposition festhält, bewegt sich damit stärker in einem Graubereich, den die künftige DeFi Regulierung schließen will.

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Gleichzeitig dürfte MiCA in Kombination mit strengeren Steuerregeln lokale Broker und Neobanken dazu zwingen, nur solche DeFi-Produkte anzubinden, die mit den kommenden Standards der DeFi Regulierung kompatibel sind. Für DACH-Investoren wird damit die Trennlinie zwischen regulierter Rendite (CeFi/DePIN/Bitcoin-Rollups) und unregulierter DeFi-Experimente klarer – und die Risikoaufschläge werden sichtbarer eingepreist.

Ausblick: Was jetzt wichtig wird

In den nächsten 90 Tagen sollten Anleger im DACH-Raum besonders auf konkrete Umsetzungspläne zur DAC8-Implementierung sowie auf die weitere Ausgestaltung des DCIA in den USA achten, denn beides sendet starke Signale zur künftigen DeFi Regulierung. Ebenfalls relevant ist, wie schnell institutionelle Programme rund um Bitcoin-DeFi – etwa auf Rootstock oder Citrea – tatsächlich signifikante Liquidität anziehen, da dies ein Frühindikator dafür ist, ob regulierungsnahe DeFi-Strukturen den Markt dominieren oder ob unregulierte Protokolle ihre Attraktivität trotz aufziehender DeFi Regulierung behalten.

Key Takeaways

  • Die EU fokussiert DAC8 und CARF klar auf zentrale Intermediäre, während die DeFi Regulierung vorerst ausgespart bleibt – ein temporärer Vorteil für dezentrale Protokolle.
  • Die politische Debatte in den USA um den DCIA zeigt, dass DeFi Regulierung zum Kernkonflikt der künftigen Marktstruktur wird.
  • DePIN wächst auf etwa 10 Mrd. Dollar und 72 Mio. Dollar Umsatz, was den Kapitalzufluss in regulierungsnahe Infrastruktur-Narrative verstärkt.
  • Für DACH-Anleger entsteht ein klares Regulierungsgefälle zwischen CeFi, regulierten DeFi-Lösungen und unregulierten Protokollen – wer Rendite sucht, muss die Dynamik der DeFi Regulierung aktiv im Risikomanagement abbilden.

Sebastian Knell

Sebastian Knell – DeFi-Kolumnist - Sebastian analysiert dezentrale Finanzsysteme (DeFi) und erklärt, wie Blockchain-basierte Finanzlösungen funktionieren. Er hat Erfahrung im Bankwesen und Fintech und schreibt über Kreditprotokolle, automatisierte Handelsstrategien und smarte Verträge. Seine Artikel bieten klare Erklärungen für Anleger und Entwickler, die DeFi besser verstehen wollen.

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