3 Raumfahrtaktien als SpaceX-IPO-Alternative

Selektive Rotation statt breiter Sektorrally
Die Datenlage zeigt ein differenziertes Bild: Nur rund ein Drittel der relevanten Raumfahrttitel notiert oberhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts, was auf eine breite Zurückhaltung im Sektor hindeutet. Die durchschnittliche Korrelation innerhalb des Raumfahrtkorbs liegt bei 0,50, leicht über der Korrelation von 0,49 zum Nasdaq 100. Das Kapital fließt also nicht im Zuge einer allgemeinen Risikobereitschaft in den Sektor, sondern in gezielt ausgewählte Einzelwerte.
Spire Global: Stärkster institutioneller Zufluss
Spire Global verzeichnet mit einem Chaikin Money Flow-Wert von 0,137 den stärksten institutionellen Geldzufluss der drei Kandidaten. Die Aktie hat im Jahr 2026 bereits rund 143 Prozent zugelegt. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem eine strategische Neuausrichtung auf den europäischen Verteidigungsmarkt. Auf der ILA Berlin Airshow im Juni unterzeichnete Spire einen Kooperationsvertrag mit dem deutschen Rüstungsunternehmen Diehl Defence, mit Fokus auf satellitengestützte Frühwarnsysteme gegen ballistische und Hyperschallraketen. Zudem eröffnete das Unternehmen eine Produktionsstätte in München mit einer Kapazität von bis zu 100 Satelliten pro Jahr. Fundamental ist Spire vergleichsweise solide aufgestellt: Rund 76 Prozent der Erlöse für 2026 sind bereits gebucht, und das Unternehmen nähert sich dem Break-even. Der Put-Call-Ratio liegt bei 0,42 auf Basis des Open Interest, was auf eine klare Call-Dominanz hindeutet.
Redwire: Infrastrukturlieferant für den gesamten Sektor
Redwire wird von manchen Marktteilnehmern als die beste SpaceX-Alternative im Sektor betrachtet. Das Unternehmen stellt raumfahrttaugliche Solarmodule her, die Satelliten und Raumfahrzeuge in der Erdumlaufbahn mit Energie versorgen. Diese hochspezialisierte Hardware ist schwer zu replizieren, was Redwire eine strukturell starke Marktposition verschafft. Der Chaikin Money Flow liegt bei 0,133, dem zweithöchsten Wert in der Gruppe. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 58 Prozent, der Auftragsbestand erreichte mit 498 Millionen US-Dollar ein Rekordniveau, und die Jahresprognose 2026 liegt zwischen 450 und 500 Millionen US-Dollar. Die Aktie hat im bisherigen Jahresverlauf 2026 ein Plus von 223 Prozent erreicht, seitdem jedoch deutlich korrigiert, hält aber noch mehr als 50 Prozent der Jahresgewinne. Eine Herabstufung durch Jefferies sowie eine Aktienplatzierung im Volumen von 500 Millionen US-Dollar stellen potenzielle Risiken durch Verwässerung dar. Der Put-Call-Ratio auf Basis des Open Interest beträgt 0,48, ebenfalls call-lastig.
Voyager Technologies: Das riskanteste, aber ambitionierteste Projekt
Voyager Technologies setzt auf das langfristigste Vorhaben der drei: Starlab, eine kommerzielle Raumstation als Nachfolgerin der Internationalen Raumstation. Das Projekt entsteht in Partnerschaft mit Airbus, Mitsubishi und MDA Space. Bemerkenswert ist, dass die Nutzlastkapazität von Starlab bereits zu 130 Prozent vorgebucht ist, noch bevor die Station überhaupt gestartet ist. Die Jahresprognose für 2026 wurde auf bis zu 255 Millionen US-Dollar angehoben, zudem wurde ein Verteidigungsauftrag im Wert von 16,5 Millionen US-Dollar gewonnen. Die Aktie legte 2026 bislang rund 35 Prozent zu. Der Chaikin Money Flow liegt mit 0,056 positiv, ist jedoch der schwächste der drei Werte, was auf vorsichtige Kapitalzuflüsse hindeutet. Das zentrale Risiko bleibt die Geduld: Starlab generiert derzeit noch keine Einnahmen. Der Put-Call-Ratio auf Open-Interest-Basis beträgt 0,33, was die bullishe Grundhaltung der Marktteilnehmer unterstreicht.
Fazit: Gezielte Titelauswahl entscheidend
Die SpaceX-Euphorie hat den Raumfahrtsektor als Ganzes ins Rampenlicht gerückt, doch profitieren davon nicht alle Unternehmen gleichermaßen. Spire Global, Redwire und Voyager Technologies ziehen derzeit den Großteil der Kapitalzuflüsse auf sich, gestützt durch konkrete Auftragslage, steigende Umsätze und eine call-lastige Optionsstruktur. Anleger, die den SpaceX-IPO verpasst haben, finden in diesen drei Titeln unterschiedlich riskante Alternativen mit je eigenem Chancen-Risiko-Profil.
