60% der S&P-500-Aktien mit Kaufempfehlung nach US-Iran-Waffenstillstand

Rekordhoch bei Kaufempfehlungen
FactSet-Daten vom Juni zeigen, dass 59,4 Prozent aller Analystenbewertungen für S&P-500-Titel auf „Kaufen“ lauten. Halteempfehlungen liegen bei 35,7 Prozent, Verkaufsempfehlungen bei lediglich 4,9 Prozent und damit unter ihrem Fünfjahresdurchschnitt. Strukturell sind Verkaufsempfehlungen an der Wall Street selten, da Analysten traditionell zu positiven Einschätzungen neigen.
Charlie Bilello, Chefmarktstratege bei Creative Planning, mahnte trotzdem zur Vorsicht. „Wenn alle gute Nachrichten erwarten, gibt es weniger Raum für positive Überraschungen“, erklärte er Ende Juni. Der Rekordoptimismus sei demnach eher ein Warnsignal als ein klares Kaufsignal.
USA und Iran einigen sich auf Waffenruhe
Die diplomatische Entspannung kam laut einem Bericht von Axios kurz vor der Wiedereröffnung der US-Futures-Märkte. Beide Seiten vereinbarten, alle militärischen Aktivitäten vorerst auszusetzen. Handelsschiffe sollen sich wieder frei bewegen können, während technische Verhandlungen weiterlaufen. Die geplanten Gespräche in Doha sollen sich auf die Umsetzung der Waffenstillstandsbedingungen konzentrieren, darunter maritime Sicherheitsmaßnahmen und eine noch nicht aktivierte militärische Hotline zwischen Washington und Teheran.
Die aktuelle Einigung baut auf einem Rahmenabkommen vom 18. Juni auf, das jedoch kurz nach seiner Unterzeichnung durch erneute Angriffe ins Wanken geriet. Die Lage bleibt fragil: US-Präsident Trump hat angedeutet, den Konflikt vollständig beenden zu wollen, während Irans Revolutionsgarden neue Warnungen bezüglich der Straße von Hormus ausgegeben haben.
Kryptomarkt unter Druck trotz Entspannung
Für den Kryptomarkt ist die Straße von Hormus von besonderer Bedeutung. Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel Öl diese Meerenge, was laut der US-Energiebehörde EIA etwa einem Fünftel des globalen Verbrauchs entspricht. Jede Eskalation dort hat in der Vergangenheit den Kryptomarkt belastet. Als Bitcoin Anfang Juni unter 66.000 US-Dollar fiel, kam es zu Liquidierungen in Höhe von rund 1,84 Milliarden US-Dollar, den höchsten seit Februar laut CoinGlass.
Trotz der Waffenruhe notierte Bitcoin am Montag bei rund 59.633 US-Dollar und verlor damit etwa 6 Prozent auf Wochensicht. Gegenüber dem Oktober-2025-Hoch von rund 126.080 US-Dollar entspricht das einem Rückgang von etwa 53 Prozent. Während US-Aktien nahe ihrer Hochs verharrten, blieb Bitcoin deutlich zurück. Diese Divergenz zwischen Aktien und der führenden Kryptowährung gilt als wichtiges Warnsignal für Risikoassets insgesamt. Die Bank of America stuft Bitcoin seit Langem als Risikoasset ein und nicht als Inflationsschutz.
Ausblick bleibt von Verhandlungen abhängig
Die Kombination aus Rekordoptimismus unter Analysten und nachlassenden geopolitischen Spannungen hat die Erwartungen für weitere Kursgewinne gestützt. Ob diese Hoffnungen gerechtfertigt sind, hängt wesentlich davon ab, ob die Gespräche in Doha Bestand haben, der Ölpreis stabil bleibt und wie sich die US-Notenbank Fed sowie der Bitcoin-Markt längerfristig entwickeln.



