KI für Institutionen unverzichtbar, aber Andreessen zweifelt an Netzstabilität

Barclays-Umfrage: KI ist im Arbeitsalltag angekommen
Die Befragung zeigt, dass KI in der Finanzbranche vor allem in der Recherche Fuß gefasst hat. Rund 52 Prozent der Long-only-Manager und Asset Owner nutzen KI hauptsächlich für Research-Aufgaben. Bei Hedgefonds steht die Verarbeitung von Marktdaten im Vordergrund, 44 Prozent geben dies als primären Anwendungsfall an. Hedgefonds sind dabei die intensivsten Nutzer: 72 Prozent von ihnen setzen KI täglich ein, verglichen mit 49 Prozent der Long-only-Manager und 38 Prozent der Asset Owner.
In Handel und Auftragsausführung spielt KI hingegen kaum eine Rolle. Die meisten Befragten sehen dort nur geringe Auswirkungen. Als größte Hürde für einen breiteren Einsatz nannten die Teilnehmer Datensicherheit. Trotz der wachsenden Bedeutung von KI rechnen nur 7 Prozent der Befragten mit einem nennenswerten Stellenabbau. Die Mehrheit erwartet höhere Produktivität bei gleichbleibendem Personalbestand. Die endgültige Entscheidungshoheit liegt laut der Umfrage weiterhin beim Menschen.
Andreessen verknüpft KI-Wachstum mit Energie und Kühlung
Marc Andreessen, Mitgründer der Venture-Capital-Firma Andreessen Horowitz, hat in einem öffentlichen Beitrag auf die physischen Grenzen der KI-Skalierung hingewiesen. Seine These fasste er pointiert zusammen: „The AI:AC Hypothesis. In the future, in each country, the amount of AI will be proportional to the amount of AC. And vice versa.“ Gemeint ist die Abhängigkeit von Strom und Kühlung, also Klimatisierung. KI-Server verbrauchen enorme Mengen an Energie, und ihre Kühlung treibt den Verbrauch weiter in die Höhe.
Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden steigen wird, mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem aktuellen Niveau. Das entspricht in etwa dem gesamten Stromverbrauch Japans. Besonders stark fällt der Druck in den USA aus. Dort könnten Rechenzentren schon bald mehr Strom verbrauchen als die amerikanische Aluminium-, Stahl- und Zementproduktion zusammen, so die IEA. Regionen mit günstigem und zuverlässigem Strom werden demnach den größten Teil der KI-Infrastruktur anziehen.
Was das für Investoren bedeutet
Beide Entwicklungen ergänzen sich zu einem klaren Bild. Barclays belegt, dass die Nachfrage nach KI in der institutionellen Finanzwelt bereits Realität ist. Andreessen benennt die Infrastruktur als den Faktor, der über Gewinner und Verlierer entscheiden wird. Institutionelles Kapital fließt bereits auf beiden Seiten. Die großen Technologiekonzerne Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta haben für das Jahr 2026 gemeinsam Investitionsvorhaben in Höhe von 725 Milliarden US-Dollar angekündigt, ein Anstieg von 77 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr. Ob das Stromnetz mit diesem Tempo Schritt halten kann, dürfte die nächste Phase der KI-Debatte und die damit verbundenen Renditen maßgeblich prägen.



