AMD-Aktie steigt 10% nach Anthropic-Deal: Kann Nvidia seinen Vorsprung halten?

Details zur Vereinbarung
AMD bestätigte die Partnerschaft in einer offiziellen Mitteilung. Anthropic wird AMDs Helios-Rack-Systeme betreiben, die Instinct-MI455X-GPUs, EPYC-Venice-CPUs, Pensando-Netzwerktechnologie und ROCm-Software kombinieren. Die erste Gigawatt-Lieferung ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant. AMD-Chefin Lisa Su erklärte, die beiden Engineering-Teams arbeiteten bereits seit einiger Zeit zusammen. Anthropic nutzt bereits ältere MI355X-Chips von AMD, sodass die Kooperation keine vollständig neue Zusammenarbeit darstellt.
Zusätzlich zur Hardware wollen beide Unternehmen enger im Softwarebereich kooperieren. Claude soll dabei helfen, Arbeitslasten für AMD-Chips zu optimieren und die ROCm-Software weiterzuentwickeln. ROCm gilt bislang als Schwachstelle von AMD, da es hinter Nvidias CUDA-Software zurückbleibt, die die meisten KI-Labore an Nvidia bindet. Die Serverinfrastruktur hat laut einem Bericht des Wall Street Journal einen Wert von mehreren zehn Milliarden US-Dollar. Die fünf Milliarden US-Dollar von AMD werden in Tranchen ausgezahlt, wenn Anthropic die vereinbarten Einsatzziele erreicht.
Günstiger für AMD als frühere Deals
Wall Street reagierte positiv auf die Konditionen des Deals. Der Grund: Bei den Vereinbarungen mit OpenAI und Meta hatte AMD jeweils Optionsscheine für bis zu 160 Millionen Aktien ausgegeben, was zusammen etwa einem Fünftel des Unternehmens entspricht. Anthropic erhielt keine Optionsscheine, sondern lediglich eine gedeckelte Bareinlage. Jefferies-Analyst Blayne Curtis, der ein Kursziel von 615 US-Dollar für AMD ausgibt, betonte, die Vertragsbedingungen seien wichtiger als der Gewinn des Auftrags selbst. Innerhalb von zwei Handelstagen gewann AMD rund 85 Milliarden US-Dollar an Marktwert hinzu. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens überstieg damit die Marke von 908 Milliarden US-Dollar.
Nvidia bleibt im Blick
Auch Nvidia profitierte von der positiven Stimmung und legte rund sechs Prozent zu, obwohl der Konzern in diesem Monat kurzzeitig seinen Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt verloren hatte. Der AMD-Deal verschärft den Wettbewerb im KI-Chipmarkt, ohne Nvidia direkt zu verdrängen. Anthropic kauft Rechenkapazität von mehreren Anbietern gleichzeitig. Im April verpflichtete sich das Unternehmen, über zehn Jahre mehr als 100 Milliarden US-Dollar bei AWS für bis zu fünf Gigawatt Amazons Trainium-Chips auszugeben. Zudem trainiert Anthropic auf Googles Tensor-Processing-Units und Nvidia-GPUs.
Ausblick
AMD gibt an, dass die Helios-Lieferungen weiterhin für Ende 2026 geplant sind. Die entscheidende Frage für Investoren ist, ob AMD weitere große KI-Labore gewinnen kann, ohne dafür erneut signifikante Unternehmensanteile abzugeben. Anthropic-Mitgründer und Chief Compute Officer Tom Brown betonte, der Zugang zu Rechenkapazität sei zentral, um Claude an der Spitze zu halten und die Kundennachfrage zu bedienen. Ein diversifiziertes Hardware-Portfolio ermögliche es, die richtigen Arbeitslasten der richtigen Hardware zuzuweisen. Ob die AMD-Rallye anhält, bleibt angesichts anhaltender Unsicherheiten rund um US-Chipexporte nach China offen.



