Bitcoin oder KI? BlackRock und JPMorgan uneinig über künftige Kapitalflüsse
BlackRock: US-Schulden als Treiber für Bitcoin
Robert Mitchnick, Leiter des Bereichs digitale Vermögenswerte bei BlackRock, erklärt das zuletzt schwache Abschneiden von Bitcoin damit, dass Investoren ihre Aufmerksamkeit auf KI-Investments verlagert haben. Er erwartet eine Kehrtwende, sobald die US-Haushaltsdefizite im Vorfeld der Halbzeitwahlen wieder stärker in den Fokus rücken. „Je größer die Angst vor dem Verschuldungsniveau und dem Risiko der Gelddruckerei ist, desto wichtiger wird das letztlich als fundamentaler Treiber“, sagte Mitchnick. Bitcoin handelt derzeit bei rund 64.360 US-Dollar und liegt damit etwa 49 Prozent unter seinem Rekordhoch von 126.080 US-Dollar aus dem Oktober 2025. BlackRocks iShares Bitcoin Trust hatte als größter Spot-Bitcoin-ETF maßgeblich zur damaligen Rallye beigetragen.
Dimon setzt auf den KI-Tsunami
JPMorgan-Chef Jamie Dimon zeichnet ein anderes Bild. Er verweist auf KI-Ausgaben von rund 700 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr, eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent und stabile Wachstumszahlen. Der S&P 500 überstieg Anfang Juni erstmals die Marke von 7.600 Punkten, angetrieben vor allem von KI-Unternehmen. „Wir befinden uns in einem Bullenmarkt. Es ist wie ein kleiner Tsunami. Wenn so etwas passiert, ist es sehr schwer aufzuhalten“, sagte Dimon. Trotz seines Optimismus warnte er, dass sich geopolitische und fiskalische Risiken im Hintergrund aufbauen. Dimon ist seit Langem ein bekannter Bitcoin-Kritiker und bezeichnete die Kryptowährung einst als Betrug.
Kapitalabflüsse belasten Bitcoin-Nachfrage
Das Researchunternehmen NYDIG hat die aktuelle Belastung der Bitcoin-Nachfrage dokumentiert. Seit dem 7. Mai verzeichneten Spot-Bitcoin-ETFs Nettoabflüsse von 6,4 Milliarden US-Dollar. Lediglich an zwei Handelstagen in diesem Zeitraum gab es positive Mittelzuflüsse. Auch die Stablecoin-Bestände sanken seit dem 22. Mai um 8 Milliarden US-Dollar. Beide Indikatoren zeigen, wohin institutionelles Geld derzeit fließt, nämlich weg von Bitcoin. Analyst Greg Cipolaro ergänzt, dass August und September historisch betrachtet die schwächsten Monate für Bitcoin sind.
Ausblick: Defizite oder KI-Boom?
Die kommenden Monate werden zeigen, welche These sich durchsetzt. BlackRocks Szenario stützt sich auf die Erwartung, dass das Thema Staatsverschuldung vor den Midterms im November wieder dominiert und Bitcoin als makroökonomische Absicherung neu bewertet wird. Solange jedoch KI-Investitionen die Schlagzeilen und die Kapitalströme bestimmen, bleibt Bitcoin vorerst unter Druck. Für Anleger stellt sich die Frage: Ist der KI-getriebene Aktienmarkt das bessere Renditevehikel, oder bietet Bitcoin bei eskalierenden Fiskalrisiken den größeren Schutz?



