Britanniens nächster Premier könnte Kryptos Zukunft bestimmen
Regulierungsrahmen schreitet unabhängig von der Politik voran
Trotz der politischen Turbulenzen zeigt sich die Regulierungsarbeit weitgehend stabil. Die Bank of England veröffentlichte in dieser Woche ihre Grundsatzerklärung und Entwurfsregeln für Pfund-denominierte systemische Stablecoins. Dabei wurde der erforderliche Anteil der in Zentralbankeinlagen gehaltenen Deckungsaktiva von 40 Prozent auf 30 Prozent gesenkt. Obergrenzen für Bestände wurden durch Ausgabelimits ersetzt. Konkret gilt: Jeder systemische Stablecoin unterliegt einem anfänglichen Ausgabemaximum von 40 Milliarden Pfund, wie die Bank of England mitteilte. Zudem werden in Kürze mehrere Grundsatzerklärungen der FCA erwartet, unter anderem zu Reformen des regulatorischen Handbuchs und zur Regulated Activities Order.
Politisch hat das Land seit 2022 sieben sogenannte City Ministers erlebt. Dennoch hat sich das Konzept eines „globalen Krypto-Hubs“, das der frühere Premierminister Rishi Sunak geprägt hatte, durch alle Regierungswechsel hindurch gehalten. Fachleute aus der Branche sind überzeugt, dass kein künftiger Regierungschef diesen Kurs grundlegend umkehren wird.
Offene Baustellen für die digitale Wirtschaft
Trotz der Fortschritte bestehen in mehreren Bereichen weiterhin Handlungsbedarf und politischer Klärungsbedarf. Dazu gehören laut Branchenvertretern die künftige Ausrichtung für dezentrale Finanzsysteme (DeFi), ein funktionsfähiges aufsichtsrechtliches Regime für Unternehmen, praktikable Regeln für Finanzwerbung sowie ein steuerlich gleichberechtigter Rahmen für Stablecoins. Wichtig sei außerdem, dass die digitale Vermögenswirtschaft nicht in kulturpolitische Debatten hineingezogen werde, wie dies in den USA geschehen sei und sich zuletzt auch in Großbritannien andeutete.
Dass das Thema parteiübergreifend Unterstützung genießt, zeigen konkrete Signale: Konservative Peers brachten Änderungsanträge zum Financial Services and Markets Bill ein, die eine umfassende Tokenisierungsstrategie und einen dedizierten Rahmen für digitale Vermögenswerte fordern. Auch die Liberal Democrats entwickeln aktiv eine eigene Plattform für den Sektor.
Wer kommt ins Amt, und was bedeutet das für Krypto?
Als wahrscheinlichster Nachfolger Starmers gilt derzeit Andy Burnham. Eine Kampfkandidatur erscheint unwahrscheinlich, nachdem Wes Streeting frühzeitig seine Unterstützung signalisiert hat. Als möglicher Außenseiter wird Al Carns gehandelt, doch fehlt ihm nach aktuellem Stand die Unterstützung von 81 Abgeordneten, die für eine Kandidatur erforderlich wäre. Für das Amt des Finanzministers in der Downing Street Nummer 11 werden unter anderem Ed Miliband, Wes Streeting und Shabana Mahmood genannt. Auch Yvette Cooper, Miatta Fahnbulleh und Louise Haigh sind im Gespräch.
Für die Kryptobranche bleibt die Lage vorerst offen. Keiner der aussichtsreichen Kandidaten hat sich bislang erkennbar mit der Branche auseinandergesetzt. Burnham wird voraussichtlich vor seiner offiziellen Amtsübernahme Signale der Marktberuhigung aussenden und dabei auf Rat bekannter Institutionsvertreter setzen, darunter Andy Haldane, ehemaliger Ökonom der Bank of England. Die Märkte reagierten auf die Nachricht von Starmers Abgang bereits mit einem stärkeren Pfund und sinkenden Kreditkosten, was den Erwartungsdruck an einen marktstabilen Regierungsstil unterstreicht.

