Coinbase eröffnet MiCA-Hub in Luxemburg während Binance gegen EU-Frist kämpft

Coinbase sichert sich MiCA-Lizenz in Luxemburg
Die luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde CSSF (Commission de Surveillance du Secteur Financier) erteilte Coinbase die MiCA-Lizenz im Juni 2025, mehr als ein Jahr vor Ablauf der regulatorischen Übergangsfrist am 1. Juli. Mit einer einzigen Lizenz kann Coinbase Luxembourg S.A. nun mehr als 450 Millionen Menschen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten bedienen. Das Unternehmen ist damit auf dem Register der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA gelistet.
Coinbase brachte günstige Voraussetzungen mit. Die Börse hielt bereits nationale Lizenzen in sechs EU-Ländern, darunter Deutschland und Frankreich. Seit dem Börsengang an der Nasdaq im Jahr 2021 liegen zudem jahrelange geprüfte Finanzberichte vor, die Regulatoren Einblick in das Unternehmen geben. Chief Policy Officer Faryar Shirzad eröffnete das Büro gemeinsam mit dem luxemburgischen Finanzminister Gilles Roth. „Luxemburg hat sich als führendes EU-Zentrum für institutionelle Kryptowährungen und Tokenisierung etabliert“, erklärte Shirzad.
Binance scheitert in Griechenland
Binance ging den entgegengesetzten Weg. Die weltgrößte Kryptobörse nach Handelsvolumen bestätigte, dass ihr Lizenzantrag in Griechenland gescheitert ist. Damit fehlt das Unternehmen im ESMA-Register und darf EU-Nutzer nach Ablauf der Frist grundsätzlich nicht mehr regulär bedienen.
Im Hintergrund steht ein schweres regulatorisches Erbe. Im Jahr 2023 bekannte sich Binance in den USA schuldig, gegen Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften verstoßen zu haben. Das Unternehmen zahlte mehr als 4,3 Milliarden US-Dollar Strafe, eine der höchsten Unternehmensstrafen in der US-Geschichte. Gründer Changpeng Zhao bekannte sich ebenfalls schuldig und trat als Vorstandschef zurück. Europäische Aufseher wägen diese Vorgeschichte offenkundig bei ihrer Bewertung ab.
Binance sucht neuen Anlauf in der EU
Trotz des Rückschlags gibt sich Binance kämpferisch. Das Unternehmen plant, in einem anderen EU-Mitgliedstaat erneut einen Lizenzantrag zu stellen, und verweist auf rund 1.500 Compliance-Mitarbeiter als Beleg für seine Regelkonformität. „Binance verlässt Europa nicht“, sagte Gillian Lynch, Leiterin der Europa- und UK-Sparte, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Ob ein anderer Mitgliedstaat den Antrag trotz der bekannten Vorgeschichte bewilligt, bleibt offen. Mit Ablauf der Übergangsfrist haben mehr als 230 Unternehmen eine MiCA-Zulassung erhalten und dürfen EU-Nutzer weiter betreuen, darunter Coinbase und die Kryptobörse Kraken. Der MiCA-Rahmen schafft damit erstmals ein einheitliches Regulierungssystem für Kryptowerte im gesamten EU-Binnenmarkt und entscheidet zunehmend darüber, welche Anbieter langfristig im größten Wirtschaftsraum der Welt präsent sein können.



