Meta verhandelt angeblich über 10-Milliarden-Dollar-Deal mit Anthropic

Was der Deal vorsieht
Im Kern des geplanten Abkommens steht die Vermietung von Rechenkapazität. Rechenkapazität, auch als Compute bezeichnet, beschreibt die Infrastruktur von Rechenzentren, die zum Training und Betrieb von KI-Modellen benötigt wird. Anthropic würde dabei nicht eigene Anlagen aufbauen, sondern überschüssige Infrastruktur von Meta mieten. Die Zahlungen sollen laut Bericht in monatlichen Raten erfolgen. Beide Seiten hätten zudem die Möglichkeit, den Vertrag vorzeitig zu beenden.
Im Vergleich zu anderen Vereinbarungen in der Branche wirkt das Volumen überschaubar. Im Mai schloss Anthropic mit Elon Musks SpaceX einen Vertrag über rund 45 Milliarden US-Dollar über drei Jahre ab, was monatlichen Zahlungen von etwa 1,25 Milliarden US-Dollar entspricht. Der nun gemeldete Meta-Deal entspräche damit grob einem Drittel dieses Abkommens. Die Verhandlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium und könnten scheitern.
Warum Meta mit einem Konkurrenten kooperieren würde
Für Meta wäre ein solcher Deal ungewöhnlich, denn Anthropic ist ein direkter Wettbewerber im KI-Markt. Dennoch gibt es handfeste wirtschaftliche Gründe. Mark Zuckerberg hat angekündigt, in diesem Jahr bis zu 145 Milliarden US-Dollar auszugeben, den Großteil davon für künstliche Intelligenz. Das ist mehr als doppelt so viel wie die 72 Milliarden US-Dollar des Vorjahres. Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, möglicherweise mehr Rechenzentrumskapazität aufzubauen, als die eigenen KI-Produkte derzeit benötigen.
Zuckerberg deutete auf einem Investorengespräch im Mai an, dass externe Unternehmen regelmäßig Interesse daran zeigen, Rechenkapazität zu einem Aufpreis zu kaufen. Bislang habe Meta abgelehnt, weil man die Kapazität intern nutzen wolle. Sollte sich herausstellen, dass zu viel gebaut wurde, wäre die Vermietung des Überschusses eine logische Konsequenz. Ein Analyst des Unternehmens MTS, Theo Jaffee, brachte die Situation treffend auf den Punkt: Anthropic brauche sehr viel Rechenkapazität, und Meta verfüge über sehr viel davon. Anthropic habe sehr gute Modelle, während Meta bis vor Kurzem keine besonders starken Modelle gehabt habe.
Anthropics wachsender Bedarf und die Marktlage
Anthropic befindet sich in einem regelrechten Wettlauf um Rechenkapazität. Das Unternehmen, das mit rund 1,2 Billionen US-Dollar bewertet wird und einen Börsengang vorbereitet, verzeichnet eine stark gestiegene Nachfrage, insbesondere seit dem Start von Claude Code. Der gesamte KI-Sektor kämpft derzeit um begrenzte Infrastruktur, während führende Technologieunternehmen wie Meta, Google und Microsoft weltweit hunderte Milliarden US-Dollar in neue Rechenzentren investieren.
Dieser Investitionsboom hat Investoren aufgeschreckt. Analysten und Aktionäre stellen zunehmend infrage, ob die enormen Ausgaben durch reale Erträge gerechtfertigt werden können. Meta selbst mietet bereits andernorts Kapazität, unter anderem über einen 21-Milliarden-Dollar-Vertrag mit CoreWeave und ein 27-Milliarden-Dollar-Abkommen mit Nebius. Steigende Marktpreise für Rechenkapazität könnten Meta nun in die Lage versetzen, eigene Rechenzentren gewinnbringend an Dritte zu vermieten.



