MiCA-Lizenzchaos: Warum deutsche Firmen vorpreschen, während die EU hinterherhinkt

Regulatorischer Stau in Frankreich, Irland und Malta
Branchenberater gehen inzwischen von einer realistischen Bearbeitungszeit von acht bis zwölf Monaten zwischen Antragstellung und Genehmigung aus. Frankreichs Aufsichtsbehörde AMF hat eine letzte Warnung an Unternehmen ausgegeben, die noch ohne Lizenz operieren. Die Behörde bemängelt eine schlechte Qualität der eingereichten Unterlagen als wesentliche Ursache für die Verzögerungen. Rund 30 Prozent der französischen Krypto-Unternehmen hatten bis Ende 2025 noch keinen Antrag gestellt.
Auch Litauen zeigt ein ähnliches Bild. Weniger als zehn Prozent der registrierten Unternehmen haben bislang einen Antrag bei der Lietuvos Bankas eingereicht, insgesamt etwa 30 Firmen. Die Zentralbank hat Strafen, Website-Sperren und mögliche Strafanzeigen für säumige Unternehmen angekündigt. Zusätzlichen Druck übt die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA aus. Ein Peer-Review der maltesischen MFSA aus dem Juli 2025 deckte Schwächen bei der CASP-Zulassung auf. Die Empfehlungen gelten für alle nationalen Aufsichtsbehörden im Europäischen Wirtschaftsraum. Als besondere Problemfelder nannte ESMA die Bewertung von Geschäftsmodellen, Interessenkonflikte sowie die IT-Architektur der Antragsteller. Zudem forderte die Behörde, die Einhaltung des Digital Operational Resilience Act (DORA) stärker in den Zulassungsprozess einzubeziehen.
Deutschland prescht vor
Deutschland hat seine Übergangsfrist bewusst auf zwölf Monate verkürzt und zum 31. Dezember 2025 geschlossen. Dieser engere Zeitrahmen zwang Unternehmen, frühzeitig bei der BaFin einzureichen. Allein im vierten Quartal 2025 kamen 16 neue MiCA-lizenzierte Institute hinzu. Im Januar sicherte sich die DZ Bank, Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut, eine MiCA-Lizenz. Sie plant darüber hinaus den Start der Retail-Handelsplattform meinKrypto. Die BaFin lehnte im vergangenen Jahr zudem den Antrag von Ethena für den Stablecoin USDe ab, was die strenge Auslegung der deutschen Aufsicht unterstreicht.
Kritik und Wettbewerbsvorteile
Kritiker werfen der BaFin vor, MiCA strenger auszulegen als von der Verordnung gefordert. Dieser Ansatz hat Börsen wie Bybit, KuCoin und AMINA dazu bewogen, ihre Operationen nach Österreich zu verlagern. Compliance-Kosten zwischen 250.000 und 500.000 Euro belasten zusätzlich kleinere Unternehmen.
Trotz dieser Kritik verschafft die schnelle Lizenzierungspraxis der BaFin deutschen Unternehmen einen erheblichen Passporting-Vorteil. Lizenzierte Firmen können ihre Dienste in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten anbieten. Langsamere Behörden in anderen Ländern überlassen dieses grenzüberschreitende Geschäft faktisch den deutschen Wettbewerbern. Die Niederlande und Malta folgen als nächstgrößte Lizenzgeber mit deutlichem Abstand. Welche Anbieter künftig EU-weit tätig sein dürfen, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
