12 Jahre alter Bitcoin-Streit kehrt zurück: BIP-110 spaltet die Community

Bailey wirft Dashjr heimliche Adress-Blacklists vor
Bailey veröffentlichte am Freitag den Vorwurf, Dashjr habe 2014 heimlich Bitcoin-Adress-Blacklists in das Gentoo-Linux-Paket eingebaut, das er damals betreute. Der Patch war standardmäßig aktiv und blockierte Zahlungen an Glücksspieldienste wie SatoshiDice über den Gentoo-Build der Bitcoin-Software. Node-Betreiber bemerkten die Sperre erst, als Transaktionen fehlschlugen. Auf X schrieb Bailey: „Back in 2014 Luke secretly added bitcoin address blacklisting to Gentoo repository. His judgement cannot be trusted to run a trillion dollar asset as sole maintainer.“ Ein damaliger Core-Entwickler hatte bereits 2014 gefordert, solche Änderungen in eine separat benannte Version auszulagern, nicht in die Standard-Software.
Dashjrs Unterstützer verweisen auf den Ausgang des Vorfalls: Er habe die Blacklist wieder als optionale Einstellung umgestellt, sich entschuldigt, und Bitcoin Core habe die Änderung nie übernommen. Zudem ist Dashjr nicht der alleinige Maintainer von Bitcoin Core, diese Rolle teilen sich mehrere Entwickler. Sein direkter Einfluss läuft vor allem über Bitcoin Knots, eine alternative Software-Version, die die geplante Beschränkung bereits heute durchsetzt.
BIP-110: Kampf gegen Ordinals spaltet die Community
BIP-110 richtet sich gegen sogenannte Ordinals-Inschriften, also Bilder und Texte, die Nutzer in Bitcoin-Transaktionen einbetten. Befürworter bezeichnen diese Daten als Spam, der das Netzwerk belastet. Dashjr nennt den Kampf dagegen existenziell und warnt, Bitcoin werde scheitern, wenn der Vorschlag scheitere. Bitcoin Knots, das BIP-110 bereits durchsetzt, betrieb im Jahr 2025 nach verfügbaren Daten rund ein Fünftel aller öffentlich sichtbaren Nodes im Netzwerk.
Für eine Aktivierung über die Miner-Signalisierung braucht BIP-110 die Unterstützung von 55 Prozent der Miner, weniger als die übliche Schwelle von 95 Prozent. Dennoch blieb die Unterstützung seit Dezember 2025 unter einem Prozent und erreichte nie mehr als 0,79 Prozent. Nodes, die die neue Software ausführen, planen, ab Anfang August Blöcke ohne diese Signalisierung abzulehnen. Das erinnert an 2017, als Nutzer das SegWit-Upgrade mit ähnlichem Druck durchsetzten, allerdings mit breiter Marktunterstützung, die BIP-110 bisher fehlt.
Prominente Kritik und die Frage der Governance
Namhafte Stimmen lehnen den Plan ab. MicroStrategys Michael Saylor bezeichnete ihn als selbst zugefügtes Protokollrisiko. Blockstreams Adam Back warnte vor einem Fork-Risiko, das Unterstützer auf einer Minderheitskette isolieren könnte. Back nannte die Aktivierungsfrist Anfang August den Weg zu einem Minderheits-Altcoin, dem kaum jemand folgen würde.
Bailey zog auch den institutionellen Markt in die Debatte. Er fragte öffentlich, an welchem Chain-Endpunkt sich ein in bar abgerechnetes Bitcoin-Future an der CME orientieren würde, sollte das Netzwerk sich spalten. „Very clear to me the Wall Street universe has no idea how Bitcoin governance works“, schrieb er. Bitcoins Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 1,3 Billionen US-Dollar. Kritiker sagen, ein Netzwerk dieser Größenordnung dürfe nicht von den Präferenzen eines einzelnen Entwicklers abhängen. Der zwölf Jahre alte Streit steht nun stellvertretend für eine grundsätzlichere Frage: Wer bestimmt, wohin sich Bitcoin entwickelt.



