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Unterschätzt der Markt die Inflation? Vanguard glaubt schon

Was der Crack Spread verrät

Der Crack Spread misst die Differenz zwischen den Preisen für raffinierte Kraftstoffe und dem Rohöl, das zu ihrer Herstellung benötigt wird. Für Händler an den Ölmärkten ist er eine gängige Kennzahl, im Anleihenmarkt spielt er hingegen kaum eine Rolle. Vanguard betrachtet ihn nun aber als wichtigen Frühindikator für die Preisentwicklung.

Hintergrund der Ausweitung des Spreads ist ein zweigeteiltes Phänomen: Der Rohölpreis ist nach dem fragilen US-iranischen Waffenstillstand gesunken, doch der Benzinpreis ist diesem Rückgang nicht in gleichem Maße gefolgt. Auch Kerosin, Diesel und Heizöl entwickeln sich abweichend vom Rohölpreis. Erhöhte Kraftstoffpreise halten die Inflation auch dann hartnäckig hoch, wenn der Ölpreis selbst nachgibt.

Geopolitische Faktoren verschärfen die Lage

Zwei Entwicklungen belasten das globale Kraftstoffangebot. Der Konflikt mit dem Iran hat die weltweite Raffineriekapazität verringert. Zusätzlich haben ukrainische Angriffe auf russische Anlagen Moskau dazu veranlasst, Dieselexporte zu verbieten, was das Angebot weiter verknappt hat.

Die geopolitische Lage bleibt angespannt. Berichten zufolge hat der Iran drei Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen, worauf die USA mit neuen Luftschlägen reagierten. US-Präsident Trump erklärte das im Juni geschlossene Memorandum mit Teheran für beendet. In der Folge stiegen die Ölpreise erneut an.

Vanguards Einschätzung zur Marktbewertung

Ales Koutny, Leiter des internationalen Zinsbereichs bei Vanguards aktivem Fondsmanagement, verfolgt den Crack Spread als möglichen Vorboten steigender Kraftstoffpreise und damit höherer Inflation. Er erklärte: „Die Frage ist, ob sich der Spread normalisieren wird oder ob die geringe Korrelation zu einem strukturellen Merkmal wird, das die Inflationsrisiken beeinflusst. Diese Abweichungen könnten beide Seiten des Arguments berühren und könnten sehr bedeutend sein.“

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Koutny und sein Team sehen die Märkte derzeit als zu sorglos. Die zweijährigen Breakeven-Raten sind auf nahezu den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren gefallen. Dieses Niveau impliziert, dass die Märkte erwarten, die Inflation werde nur knapp über dem Zwei-Prozent-Ziel der US-Notenbank Federal Reserve verharren. Vanguard hält diese Einschätzung für zu optimistisch und ergänzt die kurzlaufende TIPS-Position mit Breakeven-Trades weiter hinten auf der Zinskurve.

Neue Modelle für präzisere Risikoanalyse

Um Inflationsrisiken künftig genauer einschätzen zu können, überarbeitet das Team laut Bloomberg seine Modelle. Statt wie bisher hauptsächlich auf den Rohölpreis zu schauen, sollen künftig einzelne Ölderivate wie Benzin, Diesel und Kerosin separat erfasst werden. Dieser differenziertere Ansatz soll dabei helfen, Preisverzerrungen an den Kraftstoffmärkten frühzeitiger zu erkennen und ihre Auswirkungen auf die Verbraucherpreise besser abzubilden.

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