Bitcoins Entwickler streiten über den Zweck der Blockchain

Was BIP-110 ändern würde
Inscriptions ermöglichen es, Bilder und Texte dauerhaft auf der Bitcoin-Blockchain zu speichern, ähnlich wie NFTs auf anderen Netzwerken. BIP-110 würde den dafür nutzbaren Datenspeicher auf 256 Byte pro Eintrag begrenzen, was in etwa einem kurzen Textabsatz entspricht. Die Regel wäre auf ein Jahr befristet und würde danach automatisch auslaufen. Bestehende Coins wären nicht betroffen. Verfasst wurde der Vorschlag von jemandem, der unter dem Pseudonym Dathon Ohm schreibt. Als Vorlage diente laut dessen Angaben ein erster Entwurf von Luke Dashjr, dem Maintainer der Bitcoin-Knots-Software.
Die Unterstützung unter Minern ist bislang verschwindend gering. Für eine Aktivierung wären 1.109 markierte Blöcke innerhalb eines Zwei-Wochen-Fensters von 2.016 Blöcken nötig. Laut dem öffentlichen Monitor lagen zum 30. Juni lediglich drei markierte Blöcke vor, was weniger als einem Prozent entspricht. Seit Beginn der Abstimmung im Dezember 2025 erreichte die Unterstützung in der besten Zwei-Wochen-Phase nur 0,79 Prozent Mitte Juni.
Drohende Spaltung des Netzwerks
Trotz der schwachen Miner-Unterstützung birgt BIP-110 ein erhebliches Risiko. Ab Anfang August würden Computer, die die BIP-110-Software ausführen, Blöcke ohne das entsprechende Signal ablehnen. Das könnte Bitcoin in zwei konkurrierende Versionen aufspalten. Blockstream-Chef Adam Back warnte vor genau diesem Szenario und bezeichnete den August-Termin als Weg zu einer Minderheits-Altcoin, der kaum jemand folgen würde. MicroStrategys Michael Saylor nannte den Plan ein selbst zugefügtes Risiko.
Dashjr hingegen sieht die Lage existenziell. „Wenn BIP-110 scheitert, scheitert Bitcoin mit ihm. Ich habe kein Interesse an irgendeiner CBDC, noch weniger an einer unregulierten CBDC, die vorgibt, dezentralisiert zu sein“, schrieb er. In seiner Sichtweise verliert Bitcoin ohne die Möglichkeit, Spam abzulehnen, seinen grundlegenden Unterschied zu staatlichen Digitalwährungen.
Ordinals-Entwickler kontern mit technischer Lösung
Am 2. Juli veröffentlichte Ordinals-Entwickler lifofifoX eine Anpassung, die Daten auf eine neue Weise speichert. Dateien werden dabei in kleine, erlaubte Teilstücke zerlegt, anstatt die Methode zu verwenden, die BIP-110 blockieren würde. Inscriptions würden damit auch nach einer möglichen Regeländerung weiter funktionieren. Ordinals-Gründer Casey Rodarmor billigte die Lösung noch am selben Tag auf GitHub: „Sieht gut aus für mich. Warten wir damit, bis BIP-110 aktiviert wird“, schrieb er.
Die Gegenseite reagierte bereits mit einem Gegen-Update für Bitcoin Knots. Das Argument: Die Software erkenne das neue Format schlicht nicht und lasse es damit durch die Größenprüfungen schlüpfen.
Der wirtschaftliche Kern des Konflikts
Hinter dem technischen Streit steckt auch eine Geldfrage. Datenformate wie Runes trieben im Oktober 2024 die Transaktionsgebühren um 32 Prozent in die Höhe, was Minern zugutekam. Kritiker hingegen weisen darauf hin, dass die Betreiber der Netzwerkcomputer alle gespeicherten Daten dauerhaft vorhalten müssen, ohne dafür entschädigt zu werden. Die entscheidende Phase beginnt in etwa fünf Wochen. Ob das Schweigen der Miner Ablehnung oder bloße Gleichgültigkeit bedeutet, wird sich bis dahin zeigen.



