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Deutsche Banken öffnen Kryptohandel für 50 Millionen Kunden

Von der Ablehnung zum Angebot: Ein radikaler Kurswechsel

Die Sparkassen betreuen laut DSGV etwa 50 Millionen Kunden, die Genossenschaftsbanken nach BVR-Angaben weitere 30 Millionen. Beide Gruppen setzen dabei auf eigenentwickelte Lösungen, statt ihre Kunden auf externe Kryptobörsen weiterzuleiten. Die DZ Bank betreibt bereits die Plattform meinKrypto innerhalb der VR Banking App. Dort können Nutzer Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano handeln. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilte meinKrypto Ende Dezember 2025 eine Lizenz nach dem europäischen MiCA-Rahmenwerk. Die Verwahrung der Vermögenswerte übernimmt Boerse Stuttgart Digital, womit die gesamte Wertschöpfungskette unter deutscher Aufsicht bleibt.

Für die rund 340 Sparkassen entwickelt die DekaBank ein gleichwertiges Produkt, das noch in diesem Jahr stufenweise eingeführt werden soll. Jede der knapp 650 Genossenschaftsbanken und jede einzelne Sparkasse entscheidet dabei selbst, ob sie das Angebot einführt. DZ-Bank-Produktspezialist Markus Bärenfänger erwartet, dass sich Hunderte von Instituten anschließen werden. Der Wandel ist bemerkenswert: 2021 hatten die Sparkassen Kryptohandel erwogen und das Vorhaben angesichts unkalkulierbarer Risiken wieder verworfen. Die seitdem in Kraft getretene MiCA-Verordnung hat den regulatorischen Rahmen geschaffen, der deutschen Großinstituten nun den Einstieg ermöglicht.

Vertrauen als Argument, Totalverlust als Warnung

Ein zentrales Argument für das Engagement der Banken ist das Vertrauen der deutschen Bevölkerung. Laut einer Umfrage von Boerse Stuttgart Digital vertrauen Deutsche ihrer Hausbank beim Thema Krypto mit 38 Prozent doppelt so stark wie spezialisierten Kryptoplattformen, denen nur 19 Prozent vertrauen. Allerdings haben bisher nur etwa ein Viertel der Deutschen in Kryptowährungen investiert, ein Wert, der mit dem europäischen Durchschnitt vergleichbar ist.

Genau dieses Vertrauen bereitet Kritikern Sorgen. Co-Pierre Georg, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, warnt vor den Konsequenzen: „Es ist besorgniserregend, dass die Schleusen zum Kryptowährungsmarkt jetzt von Spar- und Genossenschaftsbanken geöffnet werden“, zitiert ihn Bloomberg. Auch der eigene Lobbyverband DSGV bezeichnet Kryptowährungen als hochspekulative Anlage mit dem Risiko eines Totalverlusts. Das Angebot richte sich demnach ausschließlich an selbstbestimmte Anleger.

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Marktlage und strategische Relevanz

Der Zeitpunkt der Markteinführung fällt in eine volatile Phase. Bitcoin notiert derzeit bei rund 62.483 US-Dollar, nachdem er gegenüber seinem Rekordhoch von 126.080 US-Dollar im Oktober 2025 um etwa 50 Prozent gefallen ist. Die deutschen Institute schließen sich zudem einem breiteren europäischen Trend an. Die UBS eröffnete ihren Privatkunden bereits im Januar den Zugang zum Kryptohandel.

Für die Regionalbanken geht es letztlich weniger um direkte Erträge als um ihre langfristige Relevanz. Ralf Kölbach, Chef der Westerwald Bank, warnt, dass Institute, die auf Krypto verzichten, jüngere und technikaffine Kunden verlieren. Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch aus: ob das Vertrauen in die Bankenmarke auch den nächsten schweren Kurseinbruch am Kryptomarkt übersteht.

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