Über 15 Banken tokenisieren das Finanzwesen – mit möglichen Folgen für Bitcoin

Milliardenschwere Infrastruktur entsteht auf privaten Netzwerken
JPMorgans eigene Plattform Kinexys verdeutlicht das Ausmaß dieser Bewegung. Die Plattform, 2020 noch unter dem Namen Onyx gestartet und 2024 umbenannt, hat seit ihrer Einführung mehr als 3 Billionen US-Dollar abgewickelt und verarbeitet inzwischen täglich über 7 Milliarden US-Dollar. Auf dem Canton Network, einem gemeinsamen permissioned Netzwerk, tokenisiert die DTCC die von ihr verwahrten US-Staatsanleihen mit einem Zieldatum im Jahr 2026. HSBC hat dort einen Piloten für tokenisierte Einlagen abgeschlossen, Goldman Sachs wickelt tokenisierte Anleihen auf demselben System ab.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser privaten Netzwerke zeigt sich auch in den Gebührendaten. Canton zählte in diesem Jahr zu den gebührenstärksten Blockchains überhaupt. Im Zeitraum von 30 Tagen bis Ende Juni erwirtschaftete das Netzwerk rund 60 Millionen US-Dollar, während Ethereum im gleichen Zeitraum auf etwa 11 Millionen US-Dollar kam, wie Daten von DeFiLlama zeigen. Darüber hinaus arbeiten mehr als 15 große Banken an einem gemeinsamen tokenisierten Einlagennetzwerk unter der Federführung von The Clearing House, mit einem angestrebten Start im Jahr 2027.
Warum das Bitcoin unter Druck setzen könnte
In einem Bericht vom 9. Juli erklärte JPMorgan, das zentrale Risiko für Bitcoin bestehe darin, dass die Blockchain-Adoption an öffentlichen Netzwerken vorbeigehe. Institutionelle Akteure bevorzugen permissioned Systeme wegen ihrer Governance-Strukturen, des Datenschutzes und der Rechtssicherheit. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat sich in diese Richtung geäußert und warnte vor Skalierbarkeits- und Integritätsproblemen bei öffentlichen, erlaubnisfreien Blockchains. Stattdessen spricht sich die BIZ für regulierte, vereinheitlichte Ledger aus.
Derzeit hosten öffentliche Blockchains tokenisierte reale Vermögenswerte im Wert von rund 31 Milliarden US-Dollar, davon entfallen etwa zwei Drittel auf Ethereum, wie Daten von rwa.xyz zeigen. JPMorgan erwartet, dass ein Großteil dieser Emissionen und Abwicklungen mit dem Wachstum des Marktes auf permissioned Netzwerke verlagert wird.
MicroStrategy als sekundäres Risiko eingestuft
Die JPMorgan-Analysten ordnen MicroStrategy als nachrangiges Risiko ein. Das Unternehmen hält rund 4 Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots. Die damit verbundene neue Verkaufspolitik für Bitcoin erzeuge kurzfristige Volatilität, stelle jedoch keine strukturelle Bedrohung dar. Das Gegenargument lautet, dass Bitcoins Wert auf Knappheit und Neutralität beruht und nicht auf seiner Rolle als Zahlungsinfrastruktur. Einige Finanzberater bevorzugen bereits Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte gegenüber einem direkten Bitcoin-Engagement.
Banken bestimmen das Tempo
Derzeit geben die Banken die Richtung vor und integrieren Blockchain-Technologie zu ihren eigenen Bedingungen. Ob öffentliche Netzwerke langfristig einen nennenswerten Anteil an tokenisierten Märkten gewinnen können, könnte die nächste entscheidende Phase der Krypto-Adoption definieren.



