Die Hälfte des 60-Milliarden-Tokenisierungsmarkts ist inaktiv

Milliarden ohne Bewegung
Für die Analyse betrachteten die Forscher 1.289 tokenisierte Vermögenswerte mit einem Einzelwert von jeweils mehr als 100.000 US-Dollar. Von diesen wiesen 910 Assets null wöchentliche Transfers auf. Diese ruhenden Vermögenswerte repräsentieren einen Gesamtwert von 32,9 Milliarden US-Dollar, was einem Anteil von 56 Prozent des für Transferaktivität gemessenen Marktes entspricht. Lediglich 379 Assets zeigten eine wöchentliche Bewegung und kamen zusammen auf einen aktiven Wert von 26,2 Milliarden US-Dollar.
Distributed versus Represented: Ein entscheidender Unterschied
Die Studie unterscheidet zwei grundlegende Kategorien tokenisierter Vermögenswerte, die für die Einordnung der Ergebnisse zentral sind.
- Distributed Assets können über öffentliche Blockchain-Netzwerke übertragen werden und sind potenziell in Wallets, auf Plattformen oder in DeFi-Protokollen nutzbar.
- Represented Assets nutzen die Blockchain eher als internes Hauptbuch oder digitale Aufzeichnung einer Off-Chain-Position.
Rund 27 Milliarden US-Dollar der ruhenden Vermögenswerte stammen aus der Kategorie der Represented Assets. In diesen Fällen bedeutet geringe Transferaktivität nicht zwingend ein Versagen des Produkts. Viele dieser Instrumente wurden schlicht nicht für den öffentlichen Sekundärmarkt konzipiert. Dennoch verdeutlichen die Daten, dass tokenisiertes Finanzwesen noch kein breites und liquides Marktumfeld gebildet hat. Selbst unter den aktiven Assets konzentriert sich die Aktivität auf eine weitaus kleinere Gruppe, als die Gesamtzahl der Produkte vermuten lässt.
Infrastruktur als nächste Hürde
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die nächste Entwicklungsphase der Tokenisierung weniger davon abhängt, weitere Assets auf die Blockchain zu bringen. Entscheidend ist vielmehr der Aufbau der Systeme, die es diesen Assets ermöglichen, sich zu bewegen, abzuwickeln, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und Investoren tatsächlich zu erreichen.
Ohne eine robustere Infrastruktur in den Bereichen Zugang, Transferkontrolle, Compliance, Sicherheitennutzung und Markttiefe drohen viele tokenisierte Vermögenswerte digitale Aufzeichnungen zu bleiben, anstatt zu nutzbaren Finanzinstrumenten zu werden. Die Kernbotschaft der Studie lautet damit: Tokenisierung hat Potenzial, aber Tokenisierung allein schafft noch keine Liquidität.
Einordnung
Die Ergebnisse der Krypto news-Studie reihen sich in eine wachsende Debatte über den tatsächlichen Reifegrad des Tokenisierungsmarktes ein. Während institutionelle Akteure und Finanzdienstleister vermehrt in die Tokenisierung realer Vermögenswerte investieren, zeigen Daten wie diese, dass Marktvolumen und praktische Nutzbarkeit noch weit auseinanderliegen. Die Entwicklung einer tragfähigen Marktinfrastruktur gilt als Voraussetzung dafür, dass tokenisierte Assets ihr viel zitiertes Versprechen der Effizienzsteigerung im globalen Finanzwesen einlösen können.



