Könnte Open USD die USDC-Renditen von Aave gefährden? Das müssen DeFi-Nutzer wissen

Wie USDC auf Aave Rendite erzeugt
Wer USDC auf Aave bereitstellt, verdient keine Zinsen von Circle, sondern erhält einen Anteil an den Gebühren, die Kreditnehmer für das Ausleihen aus dem Pool zahlen. Die Zinssätze hängen dabei von der Auslastung ab, also dem Anteil des bereitgestellten USDC, den Kreditnehmer bereits abgerufen haben. Steigt die Auslastung über einen optimalen Punkt, klettern die Angebotszinsen schnell, um neue Einlagen anzuziehen. Laut DefiLlama-Daten verdienen USDC-Anbieter im Hauptmarkt auf Ethereum derzeit rund 3,4 Prozent pro Jahr, wobei der Satz mit der Nachfrage schwankt. Im Jahr 2024 lag er zeitweise nahe 18 Prozent.
Einen zusätzlichen Kontext liefert der GENIUS Act, der im Juli 2025 unterzeichnet wurde. Das US-Bundesgesetz untersagt Stablecoin-Emittenten, ihren Inhabern direkte Zinsen zu zahlen. Damit bleiben Kreditplattformen wie Aave der wichtigste Weg für Stablecoin-Halter, überhaupt eine Rendite zu erzielen.
Warum Open USD die Renditen unter Druck setzen könnte
Open USD greift die Nachfrageseite an. Die Partnerunternehmen behalten den Großteil der Zinserträge aus den Reserven. Diese Erträge stellten laut Unternehmensunterlagen 99 Prozent von Circles Umsatz im Jahr 2024 dar. Coinbase ist dabei ein besonders aufschlussreiches Beispiel: Circle zahlte dem Unternehmen im Jahr 2024 insgesamt 908 Millionen US-Dollar für den Vertrieb von USDC. Gleichzeitig steht die bestehende Vereinbarung zwischen Coinbase und Circle im August zur Verlängerung an. Nun unterstützt Coinbase das konkurrierende Projekt.
Stripe geht noch einen Schritt weiter. Will Gaybrick, President of Technology and Business bei Stripe, erklärte in der Ankündigung: „Open USD wird der Standard-Stablecoin für Unternehmen sein, die auf Stripe betrieben werden.“ Die Verbindung ist nicht zufällig: Zach Abrams, der heute Open Standard leitet, war Mitgründer von Bridge, dem Stablecoin-Unternehmen, das Stripe Anfang 2025 übernommen hat. Sollten diese Unternehmen ihre Zahlungsströme auf Open USD umstellen, könnte die Nachfrage nach USDC sinken. Niedrigere USDC-Ausleihungen auf Aave bedeuten eine geringere Auslastung und damit sinkende Renditen für Einleger.
Circles Verteidigung und die Lage am Markt
Circle-CEO Jeremy Allaire sieht die Marktposition des Unternehmens trotzdem als stabil an. „Stablecoin-Netzwerke sind Plattform- und Netzwerkeffektgeschäfte, die über einen langen Zeitraum aufgebaut werden, zu Winner-takes-most-Marktstrukturen neigen und anderen Internet-Plattform-Utility-Märkten ähneln“, schrieb Allaire in einem öffentlichen Beitrag. USDC verfügt weiterhin über tiefe Liquidität an Börsen sowie Lizenzen in den USA und Europa. Das Umlaufvolumen liegt derzeit bei rund 73 Milliarden US-Dollar, während USDT bei etwa 184 Milliarden US-Dollar steht.
Als historisches Argument führt Circle zudem an, dass Visa, Mastercard und Stripe das Facebook-Projekt Libra 2019 zunächst unterstützten, dann aber nach wenigen Monaten unter Regulierungsdruck zurückzogen. Den unmittelbarsten Schaden nahm bislang Circles Aktie (CRCL): Sie fiel am Dienstag um rund 17 Prozent und verlor im vergangenen Monat etwa 40 Prozent. Zusätzlich wurde CRCL aus mehreren Russell-Growth-Indizes entfernt, was regelbasierte Verkäufe auslöste.
Was DeFi-Nutzer jetzt beachten sollten
Für DeFi-Nutzer empfehlen sich konkrete Maßnahmen. Sie können die Auslastungskennzahlen und Zinssätze auf Aave über verfügbare Live-Dashboards verfolgen. Eine Streuung der Einlagen über verschiedene Protokolle und Blockchain-Netzwerke kann das Risiko einzelner Plattformen reduzieren. Die entscheidende Frage der kommenden Monate lautet: Gelingt es Open USD, genug Nachfrage von USDC abzuziehen, um die Aave-Renditen spürbar zu senken, oder verteidigt Circles Vorsprung die bestehende Marktstruktur?



