Ehemals weltgrößter Bitcoin-Mining-Pool Poolin stellt Insolvenzantrag

Schulden von über 173 Millionen US-Dollar
Laut einer Erklärung des Chief Restructuring Officers Michael DuFrayne belaufen sich die Verbindlichkeiten vor der Insolvenzanmeldung auf rund 173,1 Millionen US-Dollar. Den größten Anteil daran, rund 163,7 Millionen US-Dollar, bilden ausstehende Verbindlichkeiten gegenüber Nutzern des Poolin Wallet. Das Unternehmen hatte im September 2022 Auszahlungen eingefroren, wovon etwa 11.700 Nutzer mit Guthaben über 100 US-Dollar betroffen waren. Poolin reichte den Antrag gemeinsam mit seinen US-Tochtergesellschaften Lonestar Dream und Lonestar Taproot ein. Die beiden Einheiten hatten den Betrieb an ihren Standorten Pyote und Tarbush in West-Texas bereits am 10. Juli eingestellt.
Verkauf statt Sanierung: Auktion der Texas-Standorte
Poolin strebt keine klassische Restrukturierung an. Stattdessen soll ein gerichtlich überwachter Verkauf der Standorte in West-Texas erfolgen. Ein sogenanntes Stalking-Horse-Angebot von Thor CALAP LLC in Höhe von 52 Millionen US-Dollar legt den Mindestpreis für die bevorstehende Auktion fest. Im Vorfeld des Verfahrens kontaktierten Berater nach Angaben von TheEnergyMag mehr als 335 potenzielle Käufer, woraus 28 Geheimhaltungsvereinbarungen und sieben Absichtserklärungen hervorgingen. Bemerkenswert ist, dass neben klassischen Mining-Unternehmen auch Betreiber aus dem Bereich künstlicher Intelligenz und High-Performance-Computing angesprochen wurden.
Aufstieg und Fall eines Mining-Giganten
Poolin wurde 2017 in China gegründet und stieg bis September 2019 zum weltweit führenden Bitcoin-Mining-Pool auf. Zwei externe Schocks zerstörten das auf Kreditvergabe ausgerichtete Geschäftsmodell: das chinesische Mining-Verbot von 2021 sowie der Krypto-Marktabsturz im Jahr 2022. Die Insolvenz markiert das Ende eines jahrelangen Niedergangs und steht sinnbildlich für die schwierige Lage der gesamten Mining-Branche.
Bitcoin-Miner wechseln in den KI-Sektor
Poolins Liquidation fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen für börsennotierte Bitcoin-Miner. Laut VanEck haben Unternehmen wie Bitdeer, Bitfarms, Core Scientific, Riot und MARA Holdings in diesem Jahr mehr als 15.000 Bitcoin aus ihren Reserven verkauft, um den Aufbau von KI- und HPC-Infrastruktur zu finanzieren. Bitdeer hat seine gesamte Bitcoin-Reserve aufgelöst. Riot finanziert den Umbau seiner Texas-Rechenzentren durch den Verkauf neu geschürfter Bitcoin. An den Kapitalmärkten wurden diese Schritte belohnt: Miner-Aktien haben Bitcoin in der Wertentwicklung deutlich übertroffen.
Netzwerk-Schwierigkeit sinkt, Hashrate fällt
Die schwierige Ertragslage spiegelt sich in den Netzwerkdaten wider. Die Mining-Schwierigkeit fiel im Juli um 8,48 Prozent von 138,96 Billionen auf 127,17 Billionen. Die gesamte Hashrate des Bitcoin-Netzwerks sank um rund 13 Prozent von 1,03 Zetahash pro Sekunde auf 883 Exahash pro Sekunde. Der sogenannte Hashprice, also der tägliche Erlös je Petahash, lag am 11. Juli bei rund 31,10 US-Dollar und damit etwa 37 Prozent unter dem Oktober-Höchststand von 49,40 US-Dollar. VanEck stellt fest, dass die von Minern gehaltenen Bitcoin-Bestände mit rund 1,785 Millionen Bitcoin im Jahresvergleich stabil geblieben sind, was auf einen gleichmäßigen Verkauf neu geschürfter Coins hindeutet und keine vollständige Kapitulation des Sektors signalisiert.



