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Krämers Leitfaden: Kaufbarer Kurssturz oder echter Crash?

Mechanische Crashs: Schein schlägt Sein

Als prägnantestes Beispiel für einen mechanischen Einbruch nannte Cramer den sogenannten Schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987. An diesem Tag fiel der Dow Jones Industrial Average um 508 Punkte, was einem Tagesverlust von 22,6 Prozent entsprach. Cramer machte eine fehlerhafte Absicherungsstrategie namens Portfolio-Versicherung verantwortlich. Diese Strategie nutzte Terminkontrakte, um Verluste automatisch zu begrenzen, verstärkte den Abverkauf jedoch massiv, anstatt ihn zu dämpfen.

Ein ähnliches Muster erkannte Cramer im Flash Crash vom 6. Mai 2010. Damals verlor der Dow Jones innerhalb von rund 36 Minuten fast 1.000 Punkte, erholte sich aber noch am selben Tag wieder. Auch den starken Kursrückgang zu Handelsbeginn im August 2015 ordnete Cramer in diese Kategorie ein. In beiden Fällen machte er Fehlfunktionen auf dem Terminmarkt verantwortlich, nicht eine tatsächliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Grundlagen. Sein Fazit: Solche Einbrüche sehen gefährlicher aus, als sie sind, und haben sich historisch innerhalb weniger Monate wieder erholt.

Systemische Krisen folgen anderen Regeln

Die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 bewertet Cramer grundlegend anders. Der Dow Jones fiel von seinem Höchststand im Oktober 2007, als er noch über 14.000 Punkten notierte, bis Anfang März 2009 auf rund 6.470 Punkte. Das entsprach einem Rückgang von mehr als 54 Prozent. Eine vollständige Erholung auf das Vorkrisenniveau dauerte bis ins Jahr 2013.

Laut Cramer war der entscheidende Unterschied der echte wirtschaftliche Schaden: zusammenbrechende Banken, steigende Arbeitslosigkeit und eine US-Notenbank Federal Reserve, die zunächst zu zögerlich reagierte. Die spätere Kehrtwende der Fed hin zu einer aggressiven Geldpolitik habe dem Markt schließlich geholfen, einen Boden zu finden.

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Cramers Checkliste für Anleger

Aus seinen Beobachtungen leitet Cramer eine klare Handlungsempfehlung ab. Bevor Anleger in einem fallenden Markt die schlimmsten Szenarien annehmen, sollten sie prüfen, ob der Einbruch von realem wirtschaftlichem Schaden begleitet wird. Als Orientierungsmerkmale nennt er dabei:

  • Schwächelnde Fundamentaldaten in der Realwirtschaft
  • Steigende Arbeitslosigkeit und Kreditausfälle
  • Instabilität im Bankensystem
  • Eine Notenbank, die nicht oder zu langsam reagiert

Fehlen diese Signale, spricht Cramer von einem mechanischen Selloff, den er historisch als Kaufgelegenheit einordnet. Sind sie vorhanden, warnt er vor einem möglicherweise jahrelangen Abschwung. Cramer selbst räumt ein, dass seine Markteinschätzungen zuletzt gemischte Ergebnisse geliefert haben. Sein Framework bleibt dennoch ein viel diskutierter Ansatz, um zwischen kurzfristigen Marktstörungen und strukturellen Wirtschaftskrisen zu unterscheiden.

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