US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erreichen Tiefstand seit 1969: Bedeutung für Krypto

Arbeitsmarktdaten übertreffen Erwartungen deutlich
Der Rückgang um 22.000 war der stärkste innerhalb von drei Monaten. Ökonomen, die von Reuters befragt wurden, hatten hingegen einen Anstieg auf 212.000 Anträge erwartet. Zusätzlich sank die Zahl der Personen, die länger als eine Woche Leistungen beziehen, in der Woche bis zum 11. Juli auf 1,796 Millionen. Das entspricht dem niedrigsten Wert seit sechs Wochen und gilt als grober Indikator für die Einstellungstätigkeit am Arbeitsmarkt.
Matthew Martin, Senior-US-Ökonom bei Oxford Economics, kommentierte die Zahlen zurückhaltend, aber deutlich: „Es mag saisonales Rauschen in den Daten geben, da die Sommermonate tendenziell unruhig sind, aber das extrem niedrige Niveau der Anträge ist schwer zu ignorieren, und der Trend bei den Folge-Anträgen bleibt ermutigend.“ Martin fügte hinzu, dass wenige Entlassungen und eine stärkere Einstellungsaktivität die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten begrenzen dürften. Ein knappes Arbeitskräfteangebot könnte die Rate sogar unter den aktuellen Wert von 4,2 Prozent drücken.
Ökonomen warnen allerdings, dass saisonale Werksschließungen in der Automobilindustrie die Zahl beeinflusst haben könnten. In der kommenden Woche könnten die Anträge wieder in Richtung der niedrigen 200.000er-Werte steigen.
Fed-Zinserwartungen drehen sich um
Die starken Daten haben die Markterwartungen an die Fed-Sitzung am 29. Juli deutlich verändert. Das CME FedWatch Tool bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 23. Juli auf 33,7 Prozent. Eine Woche zuvor lag dieser Wert noch bei 11,8 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Zinspolitik beträgt demnach 66,3 Prozent. Zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen steigende Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen im Kontext des US-Iran-Konflikts.
Was bedeutet das für den Kryptomarkt?
Die Entwicklung dreht die Stimmung am Kryptomarkt um. Anfang Juli hatten schwache Arbeitsmarktdaten die Hoffnungen auf Zinssenkungen befeuert und Bitcoin in Richtung höherer Kursniveaus getragen. Ein robuster Arbeitsmarkt reduziert den Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken. Höhere Zinsen stärken die Attraktivität von Bargeld und Anleihen und erhöhen gleichzeitig die Opportunitätskosten für das Halten von Vermögenswerten wie Kryptowährungen, die keine laufenden Erträge abwerfen.
Sollte die Fed bei ihrer Sitzung überraschend hawkisch agieren, würde das testen, ob der Kryptomarkt seine zuletzt erreichten Niveaus halten kann. Steigen die Erstanträge in der kommenden Woche hingegen wieder an, könnte das die aktuell aufgefrischten Zinserhöhungsspekulationen schnell wieder abkühlen und Entlastung für risikoreiche Anlageklassen bringen. Der Markt beobachtet die nächsten Datenpunkte daher mit besonderer Aufmerksamkeit.



