Krypto News

Einblick in Saylors Bitcoin-Monetarisierungsprogramm: Strategy plant Verkauf von 1,25 Mrd. USD in BTC

Der Auslöser: mNAV fällt unter 1

Der unmittelbare Anlass für das Filing war der 27. Juni 2026, als Strategys sogenannter mNAV, das Verhältnis des Unternehmenswerts zu den gehaltenen Bitcoin, erstmals unter den Wert von 1 fiel und bei 0,99 notierte. Dieses Verhältnis ist für das gesamte Geschäftsmodell des Unternehmens von zentraler Bedeutung. Solange Strategy mit einem Aufschlag auf den Netto-Bitcoin-Wert gehandelt wurde, konnte das Unternehmen Aktien und Vorzugsaktien ausgeben und mit den Erlösen weitere Bitcoin kaufen, was den Wert je Aktie erhöhte. Mit einem mNAV unter 1 ist dieses Schwungrad zum Stillstand gekommen.

Hohe Dividendenlasten belasten die Bilanz

Der Druck konzentriert sich vor allem auf den Vorzugsaktienbereich. Die Vorzugsaktien-Serie STRK trägt eine jährliche Dividende von 8 Prozent auf rund 584 Millionen US-Dollar. Die Serie STRF zahlt 10 Prozent, die sich bei ausbleibenden Zahlungen auf 18 Prozent erhöhen, auf 711 Millionen US-Dollar. Die jüngste Serie STRD erzielte Nettoerlöse von rund 979,7 Millionen US-Dollar bei einem nicht kumulativen Satz von 10 Prozent. In der Summe übersteigt die jährliche Dividendenlast aus allen Vorzugsaktien 700 Millionen US-Dollar. Zu Zeiten, als Bitcoin nahe seinen Hochs von rund 125.000 US-Dollar notierte und der mNAV deutlich über 1 lag, war die Finanzierung dieser Kosten über neue Aktienemissionen problemlos möglich. Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 60.000 US-Dollar und einem mNAV unter 1 ist das nicht mehr der Fall.

Erste Verkäufe und neue Rahmenbedingungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Strategy Bitcoin aus der eigenen Schatzkammer veräußert. Bereits am 1. Juni 2026 verkaufte das Unternehmen 32 Bitcoin für rund 2,5 Millionen US-Dollar, ausdrücklich zur Finanzierung von Vorzugsaktien-Dividenden. Das aktuelle Filing hebt den potenziellen Umfang um ein Vielfaches an. Die Barmittelreserve des Unternehmens liegt derzeit bei rund 2,55 Milliarden US-Dollar. Etwaige Bitcoin-Verkäufe sollen laut Filing „von Zeit zu Zeit“ je nach Marktlage und Kapitalbedarf erfolgen, ohne konkrete Zeitpläne oder Tranchen festzulegen. Zusätzlich wurden zwei separate Aktienrückkaufprogramme im Umfang von je bis zu 1 Milliarde US-Dollar für die Stammaktien der Klasse A sowie für die Vorzugsaktien-Serien genehmigt.

Siehe auch  Dow erstmals über 52.000 bei Alphabet-Debüt

Kritik und Marktreaktion

Gold-Befürworter und langjähriger Bitcoin-Kritiker Peter Schiff nutzte die Gelegenheit für scharfe Kommentare. In einem Post vom 29. Juni schrieb er, Strategy sei „nun ein Bitcoin-Verkäufer“, und verwies darauf, dass das aggressive Kaufprogramm des Unternehmens den Bitcoin-Kurs zuvor gestützt habe und dieser Mechanismus sich nun umkehre. Die MSTR-Aktie notierte zum Zeitpunkt der Berichterstattung bei 82,31 US-Dollar, ein Tagesrückgang von 3,5 Prozent. Strategy selbst betonte, Bitcoin bleibe das „primäre Treasury-Reserve-Asset“ und das Liquiditätsmanagement bedeute keine Änderung der langfristigen Überzeugung. Der Vorstand verabschiedete zudem eine neue Richtlinie, die eine Mindest-Reservedeckung von 12 Monaten für Vorzugsdividenden und Zinsverpflichtungen vorschreibt, ein Signal hin zu mehr Bilanzdisziplin.

Ausblick: Bitcoin-Kurs entscheidet über den weiteren Weg

Ob Strategy tatsächlich in größerem Umfang Bitcoin verkaufen muss, hängt maßgeblich vom weiteren Kursverlauf ab. Bitcoin hat sich nach dem Rücksetzer auf rund 58.000 US-Dollar moderat auf etwa 60.175 US-Dollar erholt, bleibt aber weit von den Niveaus entfernt, bei denen Strategys Modell reibungslos funktionierte. Eine Erholung über die Marke von 63.000 US-Dollar würde den mNAV wieder über 1 heben und das Kapitalmarktzugang-Fenster erneut öffnen. Ein weiterer Rückgang in Richtung 55.000 US-Dollar könnte dagegen deutlich umfangreichere Verkäufe erforderlich machen, als der aktuelle Rahmen von 1,25 Milliarden US-Dollar vorsieht.

Felix Vaider

Felix Vaider analysiert den Kryptomarkt und erklärt, wie Kursbewegungen, Handelsstrategien und makroökonomische Faktoren den Markt beeinflussen. Er hat Erfahrung im Finanzwesen und algorithmischen Handel. Seine Artikel liefern datenbasierte Einblicke für Anleger, die Bitcoin, Altcoins und Marktdynamiken verstehen wollen.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"