Google indexierte Krypto-Wallet-Daten aus Claude-Chats

Wie Claude-Chats in den Google-Index gelangten
Claude-Chats sind standardmäßig privat. Erst wenn ein Nutzer die Teilen-Funktion aktiviert, wird ein öffentlicher Link mit allen bisherigen Nachrichten erzeugt. Laut Anthropics eigenen Hilfeseiten sind hochgeladene Dateien und Rohdaten aus verbundenen Tools dabei nicht enthalten. Team- und Enterprise-Konten können Chats grundsätzlich nicht öffentlich teilen. Betroffen sind ausschließlich Nutzer der kostenlosen, Pro- und Max-Tarife.
Die technische Ursache liegt in einer Kombination aus Anthropics Konfiguration und dem Verhalten von Suchmaschinen. Die Datei robots.txt von Anthropic weist Suchmaschinen an, die geteilten Seiten nicht zu crawlen. Google öffnet die Seite dadurch nicht und liest entsprechend kein eventuell enthaltenes Noindex-Tag. Dennoch kennt Google die Web-Adresse, weil andere Seiten darauf verlinken. Google zeigt den Link dann mit dem Hinweis „No information is available for this page“ an. Wer jedoch auf einen solchen Link klickt, kann den vollständigen Chatverlauf lesen.
Risiken für Krypto-Nutzer
Entwickler wiesen darauf hin, dass unter den indizierten Chats auch Wallet-Details und Login-Daten auffindbar gewesen seien, teils über Brave Search abrufbar. Für die Krypto-Branche ist das besonders heikel: Ein kompromittiertes Passwort lässt sich ändern, ein gestohlener privater Schlüssel nicht.
Zum Ausmaß möglicher Schäden durch Wallet-Hacks liefert das Quellenmaterial Vergleichszahlen: Laut Chainalysis wurden im Jahr 2025 insgesamt 158.000 persönliche Wallets gehackt, von denen 80.000 Menschen betroffen waren. Der Gesamtschaden belief sich auf 713 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2022 lag die Zahl vergleichbarer Vorfälle noch bei 54.000. Diese Zahlen stehen in keinem direkten Zusammenhang mit KI-Chatverläufen, zeigen aber, wie aktiv Angreifer persönliche Wallets ins Visier nehmen.
Ein wichtiger Vorbehalt: Bislang hat niemand bestätigt, dass tatsächlich funktionierende Seed-Phrasen oder private Schlüssel in den indizierten Chats lagen. Berichte über konkret entstandene finanzielle Schäden gibt es nicht. Einige Entwickler argumentierten zudem, dass die betroffenen Seiten von den Nutzern selbst bewusst öffentlich gemacht worden seien.
Was Betroffene jetzt tun sollten
Die Seiten sind inzwischen aus den Suchergebnissen verschwunden, existieren aber weiterhin. Wer über einen gespeicherten Link verfügt, kann den Chat nach wie vor öffnen. Nur der ursprüngliche Ersteller kann das verhindern, indem er den Link unter Einstellungen, Datenschutz, Geteilte Chats aufruft und die Option „Nicht mehr teilen“ aktiviert.
Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Problem auftritt. Bereits im September 2025 hatte Google rund 600 Claude-Chats indexiert, wie Forbes berichtete. OpenAI hatte seine eigene öffentliche Teilen-Funktion einen Monat zuvor abgeschaltet und sieht sich mittlerweile mit einer Klage wegen ChatGPT-Datenweitergabe konfrontiert. Eine technisch saubere Lösung wäre laut Beobachtern, Google das Öffnen der Seiten zu erlauben und dann ein Noindex-Tag einzubinden. Ob Anthropic diesen Schritt unternimmt, entscheidet darüber, ob sich der Vorfall ein drittes Mal wiederholt.



