Investor, der die Blase 2008 vorhersagte, rät zum Aktienverkauf vor 70%-Crash

Rekordhohe Bewertungen und die KI-Blase
Grantham begründet seine Warnung mit konkreten Zahlen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am US-Markt liegt seit 2010 im Schnitt mehr als 60 Prozent über dem Durchschnitt des vorangegangenen Jahrhunderts. Als wesentlichen Treiber benennt er die jahrelange Niedrigzinspolitik. Die transformative Kraft von KI stellt Grantham dabei nicht in Abrede. Er kritisiert jedoch, dass ein nahezu blinder Glaube an die Technologie zu gefährlichen Überinvestitionen geführt habe. Sein Blasenmodell geht davon aus, dass jede spekulative Übertreibung früher oder später zur Norm zurückkehrt. Für die größten Gewinner hält er einen Rückgang von bis zu 70 Prozent für realistischer als einen von 50 Prozent. Den genauen Zeitpunkt lässt er offen: Der Einbruch könne in zwei Wochen oder erst in zwei Jahren eintreten.
Granthams Trefferquote gibt der Warnung Gewicht
Grantham gilt als einer der wenigen Investoren, der große Marktblasen korrekt vorhergesagt hat. Er warnte öffentlich vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und vor der US-Immobilienblase im Jahr 2007. Seine 2021 ausgesprochene Warnung vor einer epischen Blase erwies sich allerdings als verfrüht, da die Kurse zunächst weiter stiegen und erst 2022 spürbar nachgaben. Mit ähnlichen Bedenken steht er nicht allein: Investor Ray Dalio hat vergleichbare Liquiditätsrisiken öffentlich angesprochen. Grantham empfiehlt Anlegern stattdessen nicht-amerikanische Aktien, Anleihen und Edelmetalle.
Gegenargumente der Bullen
Nicht alle Marktteilnehmer teilen die Alarmstimmung. Optimisten verweisen darauf, dass die führenden KI-Unternehmen heute tatsächliche Gewinne erwirtschaften, was sie grundlegend von vielen Firmen der Dotcom-Ära unterscheide. US-Notenbankchef Jerome Powell bezeichnete die KI-Ausgaben als reale wirtschaftliche Aktivität und nicht als pure Spekulation. Powell erklärte dazu: „Ich werde keine konkreten Namen nennen, aber sie haben tatsächlich Gewinne. Diese Unternehmen haben echte Geschäftsmodelle und Gewinne. Es ist wirklich eine andere Sache als damals.“
Warum Krypto-Anleger die Lage genau beobachten
Ein Einbruch in dieser Größenordnung würde nicht auf den Aktienmarkt beschränkt bleiben. Bitcoin wird heute häufig ähnlich wie ein Technologiewert gehandelt. In Phasen ausgeprägter Risikoaversion trifft es den Kryptomarkt erfahrungsgemäß besonders früh und besonders hart. Erste Anzeichen einer Belastung sind bereits sichtbar: US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten laut Galaxy Research über einen Zeitraum von 30 Tagen bis Mitte Juni Rekordabflüsse von 6,35 Milliarden US-Dollar. Bitcoin notierte während dieses Rückgangs bei rund 59.663 US-Dollar. Grantham selbst hält Bitcoin für wertlos und prognostiziert einen Kurs von null. Für Krypto-Anleger hängt viel davon ab, wie lange der KI-Hype an den Aktienmärkten anhält. Die kommenden Quartalsergebnisse der führenden KI-Unternehmen dürften zeigen, wie viel des Optimismus fundamental gerechtfertigt ist.



