Franklin Templeton: Altcoins als fehlende Komponente im KI-Agenten-Handel

Was ist Agentic AI und warum sind Blockchains relevant?
Agentic AI beschreibt autonome Softwaresysteme, die selbstständig Entscheidungen treffen und dabei kontinuierlich Micropayments für Rechenleistung, Daten und Dienste abwickeln. Genau hier sieht Sandy Kaul, Leiterin des Bereichs digitale Assets bei Franklin Templeton, einen entscheidenden Vorteil von Blockchain-Technologien gegenüber herkömmlichen Zahlungsnetzwerken.
Klassische Kartennetzwerke erheben pro Transaktion Gebühren von rund zwei bis drei Prozent zuzüglich einer Fixgebühr. Bei kleinsten Maschinenzahlungen macht dieses Kostenmodell die Abwicklung wirtschaftlich unrentabel. Blockchains hingegen können Transaktionen im Bruchteil eines Cents innerhalb von Sekunden abwickeln und automatisch dokumentieren. Kaul fasst die Einschätzung ihres Hauses klar zusammen: „Agentic AI wird wahrscheinlich auf Krypto-Technologien und Blockchains angewiesen sein, um ihre Aktivitäten zu ermöglichen, da diese Infrastrukturen ideal für solche Anwendungsfälle geeignet sind. Tatsächlich werden Blockchains und Krypto-Technologien voraussichtlich zur grundlegenden Lieferschicht für diese Transaktionen.“
Branchenstandards nehmen Gestalt an
Die These erhält durch konkrete Branchenentwicklungen Rückenwind. Coinbase hat das Zahlungsprotokoll x402 entwickelt und an die Linux Foundation übergeben. Zu den Unterstützern zählen inzwischen Visa, Mastercard, Stripe, Google und Circle. Solche Kooperationen deuten darauf hin, dass die Verzahnung von Blockchain-Infrastruktur und automatisierten KI-Zahlungsströmen kein theoretisches Konzept bleibt, sondern aktiv vorangetrieben wird.
Das Argument für Altcoins
Die Investitionslogik ergibt sich unmittelbar aus der Transaktionsnachfrage. Damit ein KI-Agent Aktivitäten auf einer bestimmten Blockchain aufzeichnen kann, muss er Gebühren im nativen Token des jeweiligen Netzwerks entrichten. Steigt die Nutzung durch autonome Agenten, wächst entsprechend die Nachfrage nach dem zugehörigen Token. Kaul nennt Solana (SOL) als konkretes Beispiel für ein Netzwerk, das von einer solchen Entwicklung profitieren könnte.
Für Anleger leitet Kaul daraus eine klare Handlungsempfehlung ab: „Heute haben Anleger ihre Portfolios so positioniert, dass sie von der KI-Wachstumschance profitieren, indem sie Aktien von KI-orientierten Unternehmen kaufen. Um das Potenzial von Agentic AI zu erschließen, sollten dieselben Portfolios eine Ausweitung ihres Engagements in Kryptowährungen und Altcoins in Betracht ziehen, die von blockchain-basierten Apps und Projekten generiert werden.“
Marktpotenzial bleibt zukunftsgerichtet
Das Potenzial ist erheblich, aber noch weitgehend Zukunftsmusik. McKinsey schätzt, dass Agentic Commerce bis 2030 zwischen drei und fünf Billionen US-Dollar an Umsätzen koordinieren könnte. Sollte ein nennenswerter Anteil dieser Transaktionen über Blockchain-Netzwerke laufen, würde die Nachfrage nach den entsprechenden Kryptowährungen deutlich steigen. Franklin Templeton sieht darin einen Investitionsansatz, der über traditionelle KI-Aktien hinausgeht und digitale Assets als eigenständige Anlageklasse im KI-Zeitalter positioniert.



