Kraken erhielt historische Fed-Zulassung – warum ist das Master-Konto noch nicht aktiv?

Was ist ein Fed-Masterkonto und warum ist es so begehrt?
Ein Masterkonto bei der US-Notenbank Federal Reserve ist das eigene Konto einer Bank direkt beim Fed-System. Es ermöglicht, US-Dollar zu transferieren, ohne den Umweg über eine zwischengeschaltete Korrespondenzbank nehmen zu müssen. Für Kryptounternehmen ist das besonders attraktiv, weil es ihnen den direkten Zugang zum amerikanischen Finanzsystem verschafft. Die Federal Reserve Bank of Kansas City hatte Krakens Antrag am 4. März 2025 genehmigt, nachdem das Unternehmen seit Oktober 2020 darauf gewartet hatte.
Konto genehmigt, aber nicht aktiv
Trotz der Genehmigung läuft der Zahlungsverkehr bei Kraken weiterhin über Mittelsleute. Die eigenen Support-Seiten der Bank nennen die Dart Bank als Anbieter für US-Dollar-Überweisungen. Mathena erklärte gegenüber den Wyoming-Abgeordneten: „Offensichtlich spielen wir nun aufgrund der Unsicherheit rund um das Konto ein wenig Aufholjagd und versuchen, das Konto zu operationalisieren, unser Einlagenprodukt auszubauen und den Fed-Masterkonto-Zugang umfassender zu nutzen.“ Kraken hatte bereits in seiner März-Ankündigung keinen schnellen Start versprochen und einen schrittweisen Rollout, beginnend mit großen institutionellen Kunden, in Aussicht gestellt.
Das Konto ist zudem ungewöhnlich ausgestaltet. Die Kansas City Fed genehmigte es zunächst nur für ein Jahr, verbunden mit nicht öffentlich bekannten Einschränkungen, die auf die spezifischen Risiken von Kraken zugeschnitten sind. Selbst im US-Kongress gibt es Nachfragen: Die Abgeordnete Maxine Waters wandte sich im März schriftlich an Kansas-City-Fed-Präsident Jeff Schmid. In ihrem Brief stellt sie fest, dass der Begriff „limited purpose account“ in keinem Gesetz und keinen Fed-Richtlinien vorkommt, und fragt, ob Kraken das ACH-Netzwerk der Fed nutzen oder Zinsen auf seine Guthaben erhalten darf.
Tier-3-Zugang bleibt eine nahezu unüberwindbare Hürde
Kraken hatte als sogenannter Tier-3-Antragsteller eine besonders schwierige Ausgangslage. Diese Kategorie umfasst staatlich lizenzierte Banken ohne Bundeseinlagensicherung und ohne Bundesaufsicht. Fed-Vizepräsident für die Bankenaufsicht, Michelle Bowman, beschrieb das treffend bei einer Veranstaltung der American Bankers Association im März: „Diese dritte Stufe war ein bisschen wie, ich sage gerne: ‚Unobtainium‘, man kann einfach nicht qualifizieren, es funktioniert nicht.“ Laut Fintech-Analyst Jason Mikula haben von 53 Tier-3-Antragstellern bisher lediglich drei eine Genehmigung erhalten.
Das Schicksal der Custodia Bank verdeutlicht die Risiken dieses Weges. Die ebenfalls in Wyoming ansässige Bank hatte im Oktober 2020, also gleichzeitig mit Kraken, einen Antrag gestellt. Die Fed lehnte ihn im Januar 2023 ab. Am 10. Juli 2025 wandte sich Custodia an den Obersten Gerichtshof der USA und bezeichnete die Ablehnung als „Todesurteil“.
Neue Regelgebung verzögert den Betrieb weiter
Zusätzlich erschwert ein regulatorisches Vakuum die Situation. Bankenverbände kritisierten, dass Krakens Genehmigung erteilt wurde, bevor die Fed ihre Regeln für solche Konten fertiggestellt hatte. Die Fed bat daraufhin ihre Regionalbankenpräsidenten, alle Tier-3-Entscheidungen vorerst auszusetzen. Derzeit arbeitet die Notenbank an einem Regelwerk für Zahlungskonten von Nicht-Banken. Die Kommentarfrist endet am 27. Juli, und Fed-Gouverneur Christopher Waller erwartet die finalen Regeln erst gegen Jahresende.
Für Kraken steht viel auf dem Spiel. Ein aktives Masterkonto würde direkte Abwicklungen über Fedwire ermöglichen, das Großüberweisungssystem der Fed. Das Ergebnis dieses einjährigen Pilotprojekts dürfte auch Signalwirkung für andere Antragsteller haben, darunter Ripple mit einem noch offenen Antrag.



