Fed könnte erneut die Zinsen erhöhen – Bitcoin verlor damals 65%

Warum die Fed erneut die Zinsen anheben könnte
Der Inflationsdruck bleibt hartnäckig. Die Teuerungsrate liegt seit fünf Jahren über dem Fed-Ziel von 2 Prozent, die Ölpreise steigen nach dem Scheitern des Iran-Waffenstillstands erneut, und hohe Ausgaben im Bereich künstliche Intelligenz befeuern die Wirtschaft weiter. Der jüngste, etwas schwächer ausgefallene Inflationswert für Juni sorgte nur kurz für Erleichterung, bevor die Wetten auf eine Zinserhöhung wieder zunahmen. Auch Fed-Chef Kevin Warsh teilt die Einschätzung, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen ist. Die Bank of America rechnet inzwischen sogar mit drei Zinserhöhungen im Jahr 2026.
Was die letzte Straffungsphase mit Bitcoin machte
Zwischen 2022 und 2023 hob die Fed die Zinsen von nahezu null auf 5,5 Prozent an. Bitcoin fiel in dieser Phase von rund 45.000 US-Dollar auf ein Zyklustief von 15.500 US-Dollar am 22. November 2022, ein Rückgang von etwa 65 Prozent. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen erwarteten und überraschenden Erhöhungen. Der größte Schaden entstand nicht durch den Zinsanstieg an sich, sondern durch unerwartete Schritte und deren Tempo. Der sprunghafte Anstieg um 75 Basispunkte im Juni 2022 löste gemeinsam mit dem Terra-Kollaps einen Einbruch von rund 52 Prozent aus. Im frühen Jahr 2023 hingegen, als die Erhöhungen vollständig eingepreist waren, stieg Bitcoin um etwa 21 Prozent.
Das Paradox: Straffung als Bodenbildung
Der Tiefpunkt im November 2022 entstand nicht, nachdem die Fed nachgegeben hatte, sondern genau im Moment der maximalen geldpolitischen Strenge. Bitcoin drehte nach oben, als der Markt die Zinserwartungen vollständig verarbeitet hatte. Eine erneute hawkishe Überraschung könnte denselben Effekt auslösen und die letzten Verkäufer aus dem Markt drängen. Analysten beobachten derzeit eine Häufung seltener Bodenbildungssignale: On-Chain-Kennzahlen befinden sich auf Vierjahrestiefs, während Langzeithalter ihre Bestände nicht verkaufen.
Aktuelle Marktlage und worauf Anleger achten sollten
Bitcoin notiert derzeit bei rund 63.800 US-Dollar, ein Rückgang von etwa 1 Prozent auf Tagesbasis. Gleichzeitig verzeichnet der Juli einen ungewöhnlich starken Zufluss in Spot-Bitcoin-ETFs, was angesichts der Zinserhöhungserwartungen überrascht. Yusuf Fakhro, Partner bei der digitalen Kapitalplattform ARP Digital, erklärt diesen Widerspruch mit dem nachlassenden kurzfristigen Zinserhöhungsrisiko. Ein schwächerer Juni-Inflationswert habe die Erwartung verstärkt, dass die Fed bei ihrer Sitzung vom 28. bis 29. Juli unverändert bleibt. Der Markt preise dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent ein. Fakhro warnt jedoch: „Das ist ein Markt, der aufgehört hat zu bluten, kein Markt, der einen Aufwärtstrend bestätigt hat.“
Die entscheidenden Wegmarken sind die Fed-Sitzungen im September, Oktober und Dezember. Kommt eine Erhöhung wie erwartet, dürfte die Preisreaktion begrenzt bleiben. Ein größerer oder schnellerer Schritt als antizipiert wäre dagegen das Szenario, das historisch gesehen scharfe Kursrückgänge auslöste und damit gleichzeitig den Boden für die nächste Erholungsphase legte. Die Flows in Bitcoin-ETFs gelten dabei als Frühindikator: Institutionelle Abflüsse vor einer Fed-Entscheidung wären ein klares Warnsignal.



