Libra-Untersuchung unter der Lupe: Welche Namen stecken hinter den gesperrten Wallets bei Binance, Bybit und OKX?

Welche Börsen betroffen sind und welche Daten gefordert werden
Die Kontensperrungen betreffen Nutzerkonten bei Binance, Bybit, OKX, CoinEx, FixedFloat und Bitfinex. Jede dieser Plattformen muss Kontoeröffnungsunterlagen, IP-Verbindungsprotokolle, Transaktionshistorien, verknüpfte Bankkonten sowie interne Vermerke an die argentinischen Behörden liefern. Berichten zufolge wurden mindestens 25 Konten eingefroren, wobei der richterliche Beschluss allgemein von dutzenden Wallets spricht. Die argentinische Bundespolizei koordiniert die Anfragen, bei grenzüberschreitenden Fällen schaltet sich Interpol ein.
Smurfing: Wie die Ermittler die Spur rekonstruierten
Die Polizei hat eine lückenlose On-Chain-Transaktionskette von den Team-Libra-Wallets über die Plattformen Jup.ag, FixedFloat und deBridge Finance nachgezeichnet. Der Beschluss beschreibt dabei eine gezielte Verschleierungsstrategie. Wörtlich heißt es in der übersetzten Fassung: „Eine digitale Smurfing- oder Strukturierungsstrategie wurde eingesetzt, bestehend aus der täglichen Verteilung fragmentierter Beträge auf mehrere Wallets, die mit zentralisierten Börsen verknüpft sind, mit dem Ziel, die Vermögenswerte in Fiatgeld zu liquidieren oder ihre Rückverfolgung zu erschweren.“ Smurfing bezeichnet im Kontext der Geldwäschebekämpfung die Methode, größere Summen in viele kleine Einzeltransaktionen aufzuteilen, um Schwellenwerte und automatische Überwachungsmechanismen zu umgehen.
Der politische Hintergrund: Milei und der LIBRA-Token
Am 14. Februar 2025 hatte Argentiniens Präsident Javier Milei den Solana-basierten LIBRA-Token auf seinem X-Konto beworben. Der Beitrag wurde inzwischen gelöscht. Nach Angaben aus der Klageschrift stieg der Kurs des Tokens von 0,01 Dollar auf knapp 5 Dollar, ein Anstieg um rund das 500-Fache, bevor er innerhalb weniger Stunden einbrach. Eine kleine Gruppe von Wallets soll in diesem Zeitfenster rund 100 Millionen Dollar abgezogen haben. Mehr als 40.000 Käufer, die nach dem präsidentiellen Post einstiegen, erlitten massive Verluste. Beschuldigte in dem Fall sind den Ermittlern zufolge die Händler Mauricio Novelli und Manuel Terrones Godoy sowie der US-Geschäftsmann Hayden Davis, der den Token entwickelt haben soll. Zuvor veröffentlichte Dokumente deuteten auf einen angeblichen Vertrag über 5 Millionen Dollar für die Promotion durch den Präsidenten hin, was Milei bestreitet.
Verfahren unter Druck: Opfer ausgeschlossen, politische Vorwürfe
Trotz der ermittlungstechnischen Fortschritte steht das Verfahren unter erheblichem Druck. Anfang Juli entfernte derselbe Richter alle fünf Kläger aus dem Investorenkreis auf Antrag der Verteidigung Novellis. Staatsanwalt Taiano ist nun allein für das Vorankommen des Verfahrens verantwortlich. Oppositionspolitiker brachten die Entscheidung zudem in Verbindung mit der Ernennung der Ehefrau des Richters zur Bundesrichterin, ein Vorschlag, den Milei eingereicht hatte. Die peronistische Abgeordnete Selva Almada warnte: „Wenn es keine Opfer gibt, die das Verfahren vorantreiben, wird der Fall fallen gelassen.“ Ob die Antworten der Börsen den eingefrorenen Wallets schließlich Namen zuordnen können, wird nun als entscheidend für den Fortgang der Untersuchungen angesehen.



