Zwei Juli-Fenster verbleiben: Der Senatskampf um den CLARITY Act und die Folgen eines Scheiterns

Hintergrund: Was der CLARITY Act regeln soll
Der CLARITY Act beantwortet eine zentrale Frage des US-Kryptomarkts: Fällt ein digitaler Vermögenswert unter die Aufsicht der SEC als Wertpapier oder unter die CFTC als Rohstoff? Von dieser Klassifizierung hängen Registrierungspflichten, Verwahrungsregeln, Börsenzulassungen und Offenlegungspflichten ab. Ohne gesetzliche Antwort entscheidet künftig die Behörde, die zuerst klagt, oder die politische Partei, die das Weiße Haus kontrolliert. Das Gesetz passierte das Repräsentantenhaus am 17. Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen und den Bankenausschuss des Senats am 14. Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen. Seit dem 1. Juni 2026 liegt es ohne angesetzte Abstimmung im Senatskalender.
Schwieriges Stimmenkalkül im Senat
Die Senatsführung benötigt 60 Stimmen für eine erfolgreiche Abstimmung. Die republikanische Koalition ist jedoch geschwächt. Die Senatoren Josh Hawley und Rand Paul, die einzigen zwei Republikaner, die gegen den GENIUS Act stimmten, werden laut Galaxy-Digital-Analyst Alex Thorn voraussichtlich auch den CLARITY Act ablehnen. Senator McConnell fehlt krankheitsbedingt bei Abstimmungen, und der Tod von Senator Lindsey Graham verringert die ohnehin knappe republikanische Mehrheit zusätzlich. Nach Thorns Berechnung braucht die Führung bis zu neun Überläufer aus dem demokratischen Lager.
Diese demokratischen Stimmen sind nicht gesichert. Die Senatoren Ruben Gallego und Angela Alsobrooks stimmten im Ausschuss zwar für den Entwurf, bezeichneten ihre Unterstützung aber ausdrücklich als bedingt und nicht als Zusage für die Plenarsitzung. Die Vorhersageplattform Polymarket beziffert die Chancen auf eine Verabschiedung im Jahr 2026 derzeit auf etwa 34 Prozent, mit sinkender Tendenz.
Vier ungelöste Streitpunkte blockieren die Einigung
Ethikvorschriften
Senatorin Elizabeth Warren forderte in einem Brief vom 13. Juli an die Mehrheits- und Minderheitsführer Schutzvorschriften, die es hochrangigen Beamten und Kongressmitgliedern untersagen, von der Kryptoindustrie zu profitieren. Hintergrund sind rund 1,4 Milliarden US-Dollar an kryptobezogenen Einnahmen, die in der Finanzauskunft des Präsidenten für 2025 ausgewiesen sind. Der aktuelle Gesetzentwurf enthält keinerlei Ethikklauseln. Senatorin Kirsten Gillibrand macht durchsetzbare Regelungen zur Voraussetzung ihrer Zustimmung.
Strafverfolgung und Entwicklerhaftung
Die National District Attorneys Association argumentiert, Abschnitt 604 des Gesetzes würde Strafermittlungen behindern, indem er Entwickler nicht-verwahrender Software von Geldtransferpflichten befreit. Die Senatoren Mark Warner und Catherine Cortez Masto knüpfen ihre Zustimmung direkt an die Billigung durch die Strafverfolgungsbehörden.
Zinsschlupfloch für Stablecoins
Bankenverbände wie die ABA und die ICBA warnen, das Gesetz schaffe eine Hintertür, durch die Kryptoplattformen zinsähnliche Erträge anbieten könnten und so das Verbot des GENIUS Act für emittentenfinanzierte Zinsen umgehen würden.
Unterbesetzte Regulierungsbehörden
Die CFTC arbeitet derzeit nur mit einem einzigen Kommissar, die SEC hat zwei unbesetzte Stellen. Senatorin Amy Klobuchar hat vorgeschlagen, das Inkrafttreten des Rahmens zu blockieren, bis mindestens vier CFTC-Kommissare bestätigt sind. Regeln eines allein agierenden Kommissars könnten vor Gericht angefochten werden und die Rechtsunsicherheit verlängern.
Ausblick: Was ein Scheitern bedeutet
Der GENIUS Act, der am 18. Juli 2025 in Kraft trat und erstmals einen föderalen Rahmen für Zahlungs-Stablecoins schuf, gilt als Maßstab für das, was politisch möglich ist. Der CLARITY Act ist deutlich breiter angelegt und politisch schwieriger durchzusetzen. Gelingt keine Einigung in den verbleibenden Juli-Wochen, beginnt der Kongress nach der Sommerpause den Wahlkampfmodus für die Zwischenwahlen. Eine vollständige Neuverhandlung des Gesetzes ab 2027 wäre dann das wahrscheinlichste Szenario.



