Saylor wirbt für Bitcoin mit 300 Jahren Fiat-Geschichte

Fiat-Währungen mit kurzer Lebensdauer
Die River-Analyse zeichnet ein düsteres Bild staatlicher Währungen. Laut dem Bericht beträgt die durchschnittliche Lebensdauer einer Fiat-Währung nur 27 Jahre. Viele endeten in Hyperinflation, die Ökonomen als monatliche Preissteigerung von mehr als 50 Prozent definieren. Bekannte Beispiele sind die deutsche Papiermark im Jahr 1923, der ungarische Pengő im Jahr 1946, als sich die Preise etwa alle 15 Stunden verdoppelten, sowie der simbabwische Dollar im Jahr 2008.
Auch die überlebenden Währungen schnitten schlecht ab. Der US-Dollar hat demnach 97 Prozent seiner Kaufkraft verloren, das britische Pfund 99,7 Prozent und der japanische Yen 99,9 Prozent. Der Euro, als jüngste und laut River leistungsstärkste Währung, büßte seit seiner Einführung 1999 immerhin 44 Prozent ein. River selbst weist darauf hin, dass die Daten eine repräsentative Auswahl und keine vollständige Erhebung darstellen. Außerdem hatten viele Währungen vor 1971 noch eine teilweise Goldbindung.
Saylors Bitcoin-Argument: digitales Kapital statt Zahlungsmittel
Saylor kommentierte die Grafik mit den Worten: „Fiat-Währung ist das Problem. Unternehmen, Institutionen, Wertpapiere und Technologien, die Bitcoin stärken, sind Teil der Lösung.“ In seiner langfristigen Perspektive sieht er Bitcoin nicht primär als Zahlungsmittel für den Alltag, sondern als knappes globales Kapital für die finale Abwicklung. Sein übergeordnetes Ziel ist ein neues Finanzsystem, das auf digitalem Kapital, Kredit und Geld aufbaut.
River warnt zudem, dass das Scheitern von Währungen kein reines Fiat-Problem sei. Die Firma stellt fest, dass die durchschnittliche Kryptowährung nicht einmal ein Jahr überlebt und nahezu alle in Bitcoin gemessen auf null fallen. „All diese Währungen leiden unter demselben Problem: zentralisierte Macht und ein unendliches Geldangebot. Bitcoin wurde so konzipiert, dass es alle Fiat-Währungen überdauert“, schrieb River.
Kritik am festen Bitcoin-Angebot
Nicht alle teilen die Überzeugung, dass Bitcoins Design unveränderlich bleiben sollte. StarkWare-CEO Eli Ben-Sasson argumentierte kürzlich, dass die Begrenzung auf 21 Millionen Bitcoin langfristig keinen Sinn ergebe, da verlorene Schlüssel das nutzbare Angebot dauerhaft schrumpfen ließen. Er schlug eine klare Geldpolitik mit einer absoluten Obergrenze vor. Chainalysis schätzte, dass bis 2017 bereits bis zu 3,79 Millionen Bitcoin unwiederbringlich verloren waren. Befürworter des festen Angebots lehnten seinen Vorschlag einer vierprozentigen Neuausgabe ab, da bereits 95,5 Prozent aller Bitcoin existieren.
MicroStrategy hält größten Unternehmensbestand
Saylors Pitch trifft auf einen schwächelnden Markt. Bitcoin notiert derzeit bei rund 63.252 US-Dollar, ein Rückgang von etwa 47 Prozent innerhalb eines Jahres. MicroStrategy hält dennoch 843.775 Bitcoin und damit den größten Unternehmensbestand weltweit. Allerdings verkaufte das Unternehmen in diesem Monat 3.588 Bitcoin, den größten Verkauf seit 2022. Ob Saylors historisches Argument Investoren überzeugt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



