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Nokia übertrifft Erwartungen – und fällt auf Tief seit April

Starkes Quartalsergebnis, schwacher Ausblick

Nokias Ergebnisse für das zweite Quartal übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich. Der vergleichbare operative Gewinn stieg um 18 Prozent im Jahresvergleich auf 434 Millionen Euro und lag damit über dem Konsens von 382 Millionen Euro. Der Nettoumsatz wuchs um 9 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelte sich das KI- und Cloud-Geschäft: Die Umsätze mit diesen Kunden verdoppelten sich auf 446 Millionen Euro, während neue Aufträge aus diesem Segment mit 2,8 Milliarden Euro einen Rekordwert erreichten.

Trotzdem reagierten Anleger negativ auf den Ausblick. CEO Justin Hotard warnte, dass Engpässe bei DRAM-Speichern möglicherweise bis ins Jahr 2027 anhalten könnten, da KI-Unternehmen große Teile des verfügbaren Angebots absorbieren und damit die Komponentenpreise in die Höhe treiben. „Das ist wahrscheinlich der Faktor, den wir als bedeutsamsten ansehen“, sagte Hotard in Bezug auf die Speicherengpässe während der Analystenkonferenz. Hinzu kommt strukturelle Schwäche im Festnetzbereich: Die Umsätze im Segment Fixed Networks sanken um 13 Prozent, da Telekommunikationsbetreiber Investitionen verzögerten. Für das dritte Quartal erwartet Nokia einen operativen Gewinn, der weitgehend auf dem Niveau des zweiten Quartals verbleibt.

Sektor unter Druck durch Speicherkosten

Nokia steht mit diesen Problemen nicht allein. Ericsson verlor am 14. Juli fast 12 Prozent, nachdem das Unternehmen ebenfalls auf steigende Speicherkosten hingewiesen hatte. Die Schwäche bei Speicheraktien und allgemeine Gewinnmitnahmen im KI-Sektor verstärkten den Abverkauf zusätzlich. Nokia-Aktien waren bis Mitte Juli noch rund 85 Prozent im Jahresvergleich im Plus gewesen, bevor der Rückgang einsetzte.

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Technische Analyse: Fibonacci-Level als nächste Wegmarke

Aus charttechnischer Sicht hat der Kursrückgang mehrere wichtige Unterstützungsniveaus durchbrochen. Seit dem Hoch vom 3. Juni befindet sich die Aktie in einem anhaltenden Abwärtstrend. Zunächst verlor Nokia das Fibonacci-Retracement-Niveau von 0,382 bei 13,10 Dollar Anfang Juli. Diese Woche folgte der Bruch des sogenannten Golden Pocket, des 0,618-Retracement-Niveaus bei 10,41 Dollar. Dieses hatte im April noch als Unterstützung gewirkt und könnte nun als Widerstand fungieren. Das nächste Kursziel liegt beim 0,786-Retracement bei 8,50 Dollar, was einem weiteren Rückgang von etwa 12,6 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag entspräche. Dieses Niveau fällt zudem mit einer Konsolidierungszone aus dem März und April zusammen. Ein Tagesschluss über 10,41 Dollar würde das bearishe Szenario hingegen zunächst entkräften.

RSI signalisiert anhaltend schwachen Momentum

Auch der Relative Strength Index bestätigt die negative Tendenz. Nokia hatte eine aufsteigende RSI-Unterstützungslinie seit November 2025 dreimal erfolgreich verteidigt, zuletzt zweimal im Juni. Mitte des Monats verlor der Indikator diese Linie, und ein anschließender Erholungsversuch scheiterte genau an ihrer Unterseite. Der RSI notiert aktuell nahe 32 und liegt damit knapp über der Überverkauft-Schwelle von 30. Ein Unterschreiten dieser Marke könnte kurzfristig eine technische Gegenbewegung auslösen, ohne jedoch die übergeordnete Abwärtsdynamik zu verändern. Sollte Nokia die Prognosen für die zweite Jahreshälfte erfüllen und sich die Lage bei Speicherkomponenten entspannen, könnte die KI-Wachstumsstory neu bewertet werden. Andernfalls rückt das Jahrestief von 6,06 Dollar als mögliche Zielzone in den Fokus.

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