Ölpreis überschreitet 90 Dollar nach Eskalation im Iran-Krieg: Auswirkungen auf Krypto

Ölpreisanstieg: Zahlen und Hintergründe
Brent-Rohöl notierte am frühen Montag bei rund 91,40 US-Dollar, ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit setzt sich ein steiler Aufwärtstrend fort: In der vergangenen Woche stieg der Preis bereits um 14 Prozent. Gegenüber dem Tief Anfang Juli bei etwa 71 US-Dollar hat sich Rohöl inzwischen um knapp 30 Prozent erholt.
Der Auslöser ist eindeutig. Ein Waffenstillstand vom 17. Juni hatte die Straße von Hormuz wieder geöffnet und den Ölpreis von über 107 US-Dollar im Mai auf 71 US-Dollar gedrückt. US-Präsident Donald Trump beendete diesen Waffenstillstand am 8. Juli. Seitdem greifen die USA den Iran ohne Unterbrechung an, inzwischen zum achten Mal in Folge über das Wochenende. Washington blockiert iranische Häfen, Teheran erklärt die Meerenge für nicht autorisierte Schiffe gesperrt. Durch die Straße von Hormuz fließt etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Kuwait meldete zudem, dass iranische Angriffe ein Strom- und Wasserwerk innerhalb von zwei Tagen zweimal trafen.
Inflationsdruck und Fed-Zinspolitik
Der Ölpreisschock hat direkte Folgen für die US-Inflation. Im Juni waren die Verbraucherpreise noch um 0,4 Prozent gefallen, der stärkste monatliche Rückgang seit April 2020. Energie wurde dabei um 5,7 Prozent günstiger. Öl bei 90 US-Dollar dreht diese Rechnung um. Parallel dazu fielen Anleihen, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf rund 4,55 Prozent und damit in die Nähe eines Zwei-Monats-Hochs.
Die US-Notenbank Federal Reserve reagiert zunehmend restriktiv. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh hatte die Zinsen im Juni unverändert gelassen, doch neun seiner 18 Kollegen rechnen in diesem Jahr noch mit einer Erhöhung. Auf einem Zentralbankforum in Portugal am 1. Juli machte Warsh seine Haltung knapp deutlich: „Prices are too high“, sagte er. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli hat sich laut CME-FedWatch-Daten seit Anfang Juli von 18 auf zeitweise 36 Prozent verdoppelt. Auch die Europäische Zentralbank soll Ökonomen zufolge im September die Zinsen anheben.
Was das für Bitcoin und den Kryptomarkt bedeutet
Für den Kryptomarkt ist das Umfeld schwierig. Hohe Zinsen belasten Risikoassets generell, und Bitcoin kämpft laut Marktanalysen darum, seine Erholung zu halten. Jede Aufwärtsbewegung wird von Verkäufern genutzt. Auch als Kriegs-Hedge hat sich Bitcoin bislang nicht bewährt: Eine Auswertung der ersten Kriegsphase vom 28. Februar bis zum 17. Juni ergab, dass Aktien Bitcoin als stärkste Absicherung übertrafen.
Bleibt Öl über 90 US-Dollar, könnte eine Fed-Zinserhöhung Ende Juli vom Randrisiko zum Basisszenario werden. Das würde den Druck auf Bitcoin und andere Kryptowährungen weiter erhöhen. Anleger und Trader beobachten die Entwicklungen am Ölmarkt und die kommende Fed-Sitzung daher mit besonderer Aufmerksamkeit.



