Ripple-CEO kritisiert Saylors Bitcoin-Strategie, bleibt aber bullish

Preferred Stock von Strategy unter Druck
Im Mittelpunkt von Garlinghouses Kritik steht die bevorzugte Aktie STRC von Strategy. Das Papier notierte zum Zeitpunkt seiner Äußerungen bei rund 74 US-Dollar und damit etwa 26 Prozent unterhalb des Nennwerts von 100 US-Dollar. Der Abschlag hat sich im Verlauf des Jahres 2026 kontinuierlich ausgeweitet, da der Markt die wachsenden finanziellen Verpflichtungen des Unternehmens zunehmend kritisch bewertet.
Die jährlichen Dividendenzahlungen, die mit STRC verbunden sind, belaufen sich inzwischen auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Besonders auffällig ist, dass sich das Zeitfenster, in dem Strategy diese Dividenden aus vorhandenen Mitteln decken kann, von mehr als sieben Jahren auf zuletzt noch etwa 14 Monate verkürzt hat. Hinzu kommt, dass Strategy Ende Mai erstmals Bitcoin verkaufte, konkret 32 BTC, um Dividendenzahlungen aus dem STRC-Programm zu bedienen. Dieser Schritt wurde von Analysten, die die Kapitalstruktur des Unternehmens beobachten, besonders kritisch aufgenommen. Darüber hinaus ist gegen Strategy im Jahr 2026 eine Wertpapierrechtliche Untersuchung eingeleitet worden, was den finanziellen Druck zusätzlich erhöht.
Garlinghouse: Nutzen statt Finanzakrobatik
Der Ripple-Chef sieht in Saylors Ansatz ein strukturelles Problem. Garlinghouse argumentiert, dass der langfristige Wert digitaler Vermögenswerte nicht durch Fremdkapitalhebel entsteht, sondern durch den tatsächlichen Nutzen, den ein Asset schafft. In seinen eigenen Worten: „Financial engineering does not drive long-term value. Long-term value of any digital asset is going to be driven by utility.“
Als Gegenmodell verweist Garlinghouse auf die Infrastruktur von Ripple im Bereich grenzüberschreitender Zahlungen mit XRP und dem XRP Ledger. Ripple veröffentlichte in dieser Woche zudem seinen Impact Report für das Jahr 2025. Demnach spendete das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 70 Millionen US-Dollar. Über Partnerschaften mit dem Accion Opportunity Fund wurden allein mehr als 53 Millionen US-Dollar Kapital an unterversorgte Kleinunternehmer ausgezahlt. Darüber hinaus wurden RLUSD und XRP-Ledger-Technologie in Bereichen wie humanitärer Hilfe und Wasserversorgung eingesetzt.
Bitcoin bleibt für Garlinghouse attraktiv
Trotz aller Kritik an Saylor betonte Garlinghouse ausdrücklich, dass er Bitcoin als Anlageklasse langfristig positiv bewertet. Er zieht dabei eine klare Linie zwischen dem Asset selbst und dem Finanzierungsmodell, das Strategy darum herum aufgebaut hat. Strategy hält derzeit mehr als 843.000 Bitcoin, was rund 76 Prozent aller Bitcoin entspricht, die sich in den Bilanzen börsennotierter Unternehmen befinden. Mehrere andere Unternehmen sind einem ähnlichen Ansatz gefolgt, erreichen jedoch weder Strategys Größenordnung noch dessen finanzielle Komplexität.
Garlinghouses Äußerungen verdeutlichen eine grundlegende Debatte in der Kryptobranche: ob der Wert digitaler Assets durch Kapitalakkumulation oder durch praktische Anwendungsfälle getrieben wird. Diese Frage dürfte angesichts der wachsenden institutionellen Beteiligung am Kryptomarkt weiter an Bedeutung gewinnen.



