MicroStrategys Saylor: BIP 110 gefährlicher als Bitcoins Datenproblem

Was BIP 110 vorsieht
Ein Bitcoin Improvement Proposal (BIP) ist ein formaler Vorschlag zur Änderung der grundlegenden Protokollregeln von Bitcoin. BIP 110 würde vorübergehend bestimmte Arten von Transaktionen einschränken, um die Datenspeicherung auf der Blockchain zu begrenzen. Konkret sieht der Vorschlag sieben Konsensänderungen vor, darunter Obergrenzen für Script-Größen, Einschränkungen bei Taproot-Control-Blocks sowie ein Verbot, undefinierte Witness-Versionen auszugeben. Der Vorschlag erhielt im Juni den Status „Complete“ gemäß BIP 3, was die Bereitschaft der Autoren signalisiert, jedoch keine Zustimmung der gesamten Gemeinschaft bedeutet.
Saylors Kernkritik: Neutralität statt Inhaltskontrolle
Saylor betont, dass er die Ziele der BIP-110-Autoren grundsätzlich teilt. Er möchte Node-Betreiber vor unnötigen Kosten schützen, Transaktionsgebühren niedrig halten und Bitcoin als solides Geldmittel etablieren. Dennoch sieht er in den sieben vorgeschlagenen Änderungen einen gravierenden Fehler: Sie bestrafen gültige, gebührenzahlende Transaktionen allein aufgrund ihres Inhalts. „Bitcoin braucht keine Hüter der Reinheit. Es braucht Hüter der Neutralität“, schrieb Saylor abschließend in seinem Beitrag.
Besonders kritisiert er, dass die sieben Änderungen als ein einziges Paket präsentiert werden. Unterstützer, die nur der engsten Regel zustimmen möchten, müssten dabei automatisch auch sechs weitere Änderungen akzeptieren, die möglicherweise umstritten sind.
Risiken für künftige Bitcoin-Upgrades
Saylors schärfste Warnung richtet sich gegen die langfristigen Folgen für Bitcoins technische Entwicklungsmöglichkeiten. Im Bitcoin-Code sind bestimmte technische Optionen bewusst reserviert, damit künftige Upgrades problemlos integriert werden können. BIP 110 würde einige dieser reservierten Optionen schließen, darunter solche, die mit BitVM zusammenhängen. BitVM ist eine experimentelle Methode, um komplexe Vereinbarungen auf Bitcoin ohne einen vertrauenswürdigen Mittelsmann abzuwickeln. Zusätzlich würde der Vorschlag die Tiefe bestimmter Transaktionsstrukturen begrenzen und damit komplexere Setups einschränken.
Niedrige Signaling-Schwelle als weiteres Problem
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Aktivierungsmechanismus. Die für BIP 110 vorgesehene Miner-Signaling-Schwelle liegt bei 55 Prozent, deutlich unterhalb der üblichen 95 Prozent gemäß BIP 9. Für Saylor senkt dieser niedrigere Wert die Hürde für eine umstrittene Änderung in bedenklicher Weise. Das Einsatzfenster dauert etwa ein Jahr. Wird die erforderliche Unterstützung nicht erreicht, tritt ein neuer „EXPIRED“-Status in Kraft.
Saylors bevorzugter Ansatz
Statt protokollbasierter Einschränkungen setzt Saylor auf Gebühren und freiwillige Relay-Richtlinien als Instrumente zur Steuerung des Blockplatzes. Diese Werkzeuge könnten den Speicherplatz rationieren, ohne einzelne Transaktionen nach ihrem Zweck zu beurteilen. Seine Position steht im Einklang mit seiner übergeordneten These, wonach das feste Angebot und die institutionelle Attraktivität von Bitcoin langfristig im Vordergrund stehen sollten. Die Debatte spaltet derzeit Entwickler, die enge technische Leitplanken befürworten, von jenen, die BIP 110 als unzulässigen Eingriff in das Protokoll betrachten.



