Anthropic sieht sich mit 75-Millionen-Dollar-Klage wegen Buchpiraterie zum Training von Claude konfrontiert

Vorwurf: Bücher aus Raubkopier-Bibliotheken
Die Kläger behaupten, Anthropic habe ihre Werke aus sogenannten Shadow Libraries bezogen. Dabei handelt es sich um Webseiten, die urheberrechtlich geschütztes Material ohne Zustimmung der Urheber hosten. Laut der Klageschrift hat Anthropic weder eine Lizenz erworben noch eine Vergütung angeboten, bevor die Bücher in den Trainingsdatensatz für Claude eingeflossen sind. Der Fall dreht sich um eine wichtige rechtliche Unterscheidung: Ein früheres Urteil hatte festgestellt, dass das Training einer KI auf legal erworbenen Büchern als Fair Use gilt. Das Herunterladen von Raubkopien wurde jedoch als eigenständiger Verstoß eingestuft, weshalb dieser Vorwurf nun den zentralen Streitpunkt bildet.
Hohe Schadensersatzforderungen im Raum
Die Kläger halten bereits erzielte Vergleiche für unzureichend. Das US-amerikanische Urheberrecht sieht bei vorsätzlichen Verstößen einen Schadensersatz von bis zu 150.000 US-Dollar pro Werk vor. Die Autoren argumentieren, dass geringere Pauschalzahlungen den tatsächlichen Umfang der mutmaßlichen Urheberrechtsverletzung nicht angemessen widerspiegeln. Anthropic hatte zuletzt im Rahmen einer Sammelklage einen Vergleich über rund 1,5 Milliarden US-Dollar geschlossen. In diesem Rahmen erhielt jeder betroffene Autor etwa 3.000 US-Dollar für die geschätzt 500.000 unter die Vereinbarung fallenden Bücher. Einige Autoren hatten sich dem Vergleich jedoch nicht angeschlossen und sich damit das Recht vorbehalten, eigene Klagen einzureichen. Die neue 75-Millionen-Dollar-Klage ist genau Ausdruck dieser Strategie.
Wachsender rechtlicher Druck auf Anthropic
Der neue Urheberrechtsstreit steht nicht allein. Anthropic ist bereits mit einer weiteren Sammelklage konfrontiert, die im Juni eingereicht wurde und sich gegen die Claude-Max-Abonnementpläne richtet. Kläger Karl Kahn behauptet darin, die beworbenen Nutzungserhöhungen der 5x- und 20x-Stufen seien durch versteckte Obergrenzen ausgehöhlt worden. Die Klage betrifft die Max-5x-Stufe für 100 US-Dollar und die Max-20x-Stufe für 200 US-Dollar pro Monat und fordert Rückerstattungen für Abonnenten seit dem Launch der Pläne im Jahr 2025.
Finanziell stark, juristisch unter Beschuss
Trotz des wachsenden juristischen Drucks befindet sich Anthropic in einer stabilen finanziellen Lage. Nach jüngsten Finanzierungsrunden wird das Unternehmen mit mehreren Hundert Milliarden US-Dollar bewertet. Dennoch könnten die wiederholten rechtlichen Herausforderungen langfristig Konsequenzen haben. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass solche Klagen die Art und Weise verändern könnten, wie KI-Unternehmen künftig Trainingsdaten beschaffen und ihre Abonnementprodukte vermarkten. Der Ausgang der aktuellen Klage dürfte daher weit über den Einzelfall hinaus Signalwirkung für die gesamte KI-Industrie haben.



