Trumps Dell-Empfehlung löst Kursrally aus

Trumps Aussagen und das bekannte Muster
Beim Eröffnungsglockenläuten an der Wall Street zur Einführung der Trump Accounts sagte der Präsident: „Gehen Sie raus und kaufen Sie ein Dell. Wir werden ihnen das Geld auf die eine oder andere Weise zurückbekommen. Ich möchte auch Micron danken.“ Hintergrund war eine Spende von Dell-Gründer Michael Dell in Höhe von 6,25 Milliarden US-Dollar an das Trump-Accounts-Programm.
Das Muster ist Investoren nicht neu. Trump hatte bereits im Februar vor einem Publikum in Georgia zum Kauf von Dell-Aktien aufgerufen, dann erneut bei einer Veranstaltung im Weißen Haus im Mai, die die Aktie auf ein Rekordhoch trieb. Seit Februar hat sich die Dell-Aktie mehr als verdreifacht. Sie gehört damit zu jenen US-Titeln, die durch Trumps öffentliche Empfehlungen deutlich zugelegt haben.
Interessenkonflikt und ethische Bedenken
Der zeitliche Ablauf steht unter Beobachtung. Trumps Konto erwarb am 10. Februar Dell-Aktien im Wert von einer bis fünf Millionen US-Dollar, neun Tage bevor er das Papier erstmals öffentlich empfahl. Dieses Vorgehen brach mit den üblichen Normen für den Einsatz von Blindfonds durch US-Präsidenten. Ethikexperten bezeichnen das Kaufen und anschließende Loben der Aktie als Interessenkonflikt.
Starkes KI-Geschäft als fundamentaler Rückenwind
Hinter dem Kursanstieg stecken jedoch auch operative Ergebnisse. Im jüngsten Quartal erzielte Dell einen KI-Server-Umsatz von 16,1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 757 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Management hob daraufhin das Jahresziel für KI-Server auf rund 60 Milliarden US-Dollar an, und der Auftragsrückstand übersteigt 50 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich vergab das US-Verteidigungsministerium einen IT-Vertrag über 9,7 Milliarden US-Dollar mit einer Laufzeit von fünf Jahren an Dell.
Risiken und kritische Stimmen
Trotz der starken Zahlen sehen manche Analysten die Bewertung als überdehnt an. Truist-Analyst Matthew Niknam behielt eine Halteempfehlung bei und hob lediglich sein Kursziel auf 360 US-Dollar an. Er begründete dies damit, dass Dell deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von rund dem Neunfachen des Gewinns gehandelt wird. Zudem ist die Bruttomarge innerhalb eines Jahres von etwa 21 Prozent auf unter 18 Prozent gefallen, da Dell stark auf kostspielige Nvidia-Chips und knappe Speicherkomponenten angewiesen ist.
Die Aktie zeigt außerdem hohe Volatilität. Am 2. Juli fiel sie um fast acht Prozent. KI-Blasenwarnungen des bekannten Investors Michael Burry haben das Sentiment zusätzlich belastet. Ob die KI-Nachfrage die aktuelle Bewertung langfristig rechtfertigt, dürfte der nächste Quartalsbericht von Dell zeigen.



