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Britische Anleger verklagen Binance auf 200 Millionen Dollar Verluste durch Hebelgeschäfte

Vorwurf: Illegaler Vertrieb von Hebelprodukten

Im Kern des Rechtsstreits steht die Frage, ob Binance gegen den britischen Financial Services and Markets Act verstoßen hat. Die Kläger argumentieren, dass die Börse riskante Derivate an Privatanleger verkauft habe, obwohl ihr dafür die notwendige Genehmigung fehlte. Einige Betroffene geben an, dabei Verluste in Höhe von jeweils mehreren zehntausend Pfund erlitten zu haben. Bedeutsam ist dabei eine Besonderheit des britischen Rechts: Verträge, die von einem nicht autorisierten Unternehmen abgeschlossen wurden, können für nichtig erklärt werden. Das würde den Kunden das Recht geben, ihre eingesetzten Mittel und Verluste zurückzufordern.

Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA hatte Krypto-Derivate für Privatanleger im Januar 2021 verboten. Begründung war die extreme Volatilität dieser Produkte und das hohe Risiko plötzlicher Verluste. Die FCA schätzte damals, dass das Verbot Privatanlegern Verluste von rund 53 Millionen Pfund ersparen würde. Die Kläger werfen Binance vor, solche Produkte genau in jenem Zeitraum rund um das Verbot weiter vertrieben zu haben.

Binance kündigt entschlossene Verteidigung an

Binance hat angekündigt, die Vorwürfe entschieden zurückzuweisen. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Binance bleibt seinen Verpflichtungen gegenüber den Nutzern und dem Betrieb in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht verpflichtet.“ Das Unternehmen bestreitet demnach, gegen geltendes Recht verstoßen zu haben.

Die Klage richtet sich gegen mehrere Parteien. Genannt werden die auf den Cayman Islands registrierte Binance Holdings, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Nest Exchange sowie bislang nicht namentlich genannte Betreiber. Changpeng Zhao wird persönlich als Beklagter aufgeführt. Beobachter weisen jedoch darauf hin, dass diese Unternehmensstruktur eine Vollstreckung eines britischen Urteils erheblich erschweren könnte.

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Vorgeschichte: Milliardenvergleich in den USA

Der Londoner Rechtsstreit ist nicht der erste große Konflikt mit Behörden. Im Jahr 2023 klagte die US-Behörde Commodity Futures Trading Commission Binance und Changpeng Zhao wegen des Betriebs einer illegalen Derivatebörse an. Die Behörde warf dem Unternehmen vor, US-amerikanische Nutzer aktiv angeworben zu haben, obwohl es offiziell behauptete, diese vom Dienst ausgeschlossen zu haben. Wenig später einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich in Höhe von 4,3 Milliarden US-Dollar, der größten Einigung in der Geschichte des Kryptosektors. Changpeng Zhao wurde in den USA im vergangenen Jahr begnadigt.

Weitreichende Signalwirkung für den Kryptosektor

Das Verfahren könnte weit über Großbritannien hinaus Bedeutung erlangen. Sollte das Gericht die betreffenden Derivategeschäfte für nichtig erklären, wäre der Grundsatz des „Caveat emptor“, also der eigenverantwortlichen Risikoübernahme durch den Käufer, für nicht lizenzierte Anbieter erheblich geschwächt. Der Fall fällt zudem in eine für Binance schwierige Phase: Das Unternehmen zieht sich aus Europa zurück, nachdem sein Antrag auf eine EU-Lizenz gescheitert ist. Die verbleibende Hauptzulassung des Unternehmens liegt nun in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

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