Circle-Aktie fällt 15%, da neuer Rivale USDC-Unternehmenskunden angreift

Ein mächtiges Konsortium hinter Open USD
Open Standard versammelt nahezu die gesamte Finanz- und Technologiebranche hinter einem einzigen Token. Neben Visa und Mastercard gehören BlackRock, BNY, Google und Shopify zu den Partnern. Auch Stripe hat sich eng an das Projekt gebunden. Will Gaybrick, President of Technology and Business bei Stripe, wird in der Ankündigung mit den Worten zitiert: „Open USD will be the default stablecoin for businesses running on Stripe.“ Geleitet wird Open Standard auf interimistischer Basis von Zach Abrams, dem Mitgründer von Bridge, dem Stablecoin-Unternehmen, das Stripe 2025 für 1,1 Milliarden US-Dollar übernahm. Circle, Tether und PayPal blieben dem Konsortium hingegen fern.
Warum Circle unter Druck gerät
Das Geschäftsmodell von Open USD trifft Circle an einer empfindlichen Stelle. Unternehmen können OUSD kostenlos prägen und einlösen. Die Partnerunternehmen erhalten nach Abzug einer kleinen Gebühr die Erträge aus den Reserven. Genau hier liegt das Problem für Circle: Zinseinnahmen aus Reserven machten 2024 laut Unternehmensunterlagen 99 Prozent der Einnahmen aus. Hinzu kommt, dass Circle im selben Jahr 908 Millionen Dollar an Coinbase zahlte, um USDC zu vertreiben. Coinbase hat sich nun einem Konkurrenten angeschlossen, der Partnern genau diese Reserveerträge überlässt.
Besonders heikel ist der Zeitpunkt: Die Umsatzbeteiligungsvereinbarung zwischen Circle und Coinbase steht im August zur Verlängerung an. Ob und zu welchen Konditionen sie fortgesetzt wird, ist angesichts der neuen Lage ungewiss.
USDC bleibt vorerst konkurrenzfähig
Trotz des Kursrückgangs hat Circle weiterhin gewichtige Vorteile. Der USDC verfügt über regulatorische Anerkennung sowohl in den USA als auch in Europa sowie über eine tiefe Liquidität an den großen Börsen. Zudem hat USDC in den vergangenen Monaten an Boden gewonnen, weil er Tethers USDT bei Unternehmenstransaktionen überholt hat. Tether führt den Gesamtmarkt der Stablecoins mit rund 185 Milliarden Dollar weiterhin deutlich an.
Geschichte mahnt zur Vorsicht
Ob das Konsortialmodell Erfolg haben wird, ist offen. Die Geschichte solcher Projekte stimmt nicht unbedingt optimistisch. Visa, Mastercard und Stripe gehörten 2019 zu den ursprünglichen Unterstützern von Facebooks Libra-Stablecoin, zogen sich aber wenige Monate später unter regulatorischem Druck zurück. Open USD soll noch in diesem Jahr auf der Blockchain Plasma und weiteren Netzwerken starten, die speziell für Stablecoin-Zahlungen entwickelt wurden. Für Circle und den Stablecoin-Markt insgesamt markiert die Ankündigung in jedem Fall eine neue Wettbewerbsphase.



