Grayscale: Der Kryptomarkt belohnt eine neue Art von Token

Grayscales Analysemethode: Tokens nach Funktion sortiert
Grayscale stützt seine Einschätzung auf das sogenannte Crypto-Sectors-Framework, ein Indexsystem, das gemeinsam mit FTSE Russell entwickelt wurde. Es kategorisiert mehr als 150 Protokolle nach ihrer Funktion und wird quartalsweise überprüft. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Marktbetrachtung: Tokens werden nicht nach ihrer Erzählung bewertet, sondern danach, was sie tatsächlich leisten.
Der sogenannte Financials Crypto Sector umfasst Protokolle, die finanzielle Transaktionen und Dienstleistungen auf der Blockchain abwickeln. Ihre Kennzahlen spiegeln die Adoption von Stablecoins, tokenisierten Vermögenswerten und weiteren Blockchain-Anwendungsfällen wider. Das Abwicklungsvolumen von Stablecoins hat zuletzt neue Rekordwerte erreicht, was die anhaltende Nachfrage nach diesen Infrastrukturen unterstreicht.
Dramatische Schere: Finanztoken gegen Memecoins
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit Anfang 2024 hat der Financials Crypto Sector rund 15 Prozent zugelegt, während der Consumer and Culture Crypto Sector im gleichen Zeitraum etwa 75 Prozent an Wert verloren hat. Die Differenz zwischen beiden Segmenten beläuft sich damit auf rund 90 Prozentpunkte. Der schwächere Sektor wird laut Grayscale zu rund 85 Prozent von Memecoins dominiert, darunter Dogecoin (DOGE), der ursprüngliche Memecoin aus dem Jahr 2013.
Grayscale hält fest: „Der Kryptomarkt belohnt Token mit starken Fundamentaldaten. Dazu gehören Hyperliquid und andere führende Finanzanwendungen auf Blockchains.“ In einem Abschwung treffe es Token ohne Umsatzbasis besonders hart, da ihnen ein wirtschaftlicher Puffer fehlt.
Hyperliquid als Paradebeispiel für umsatzbasierte Token
Als herausragendes Beispiel hebt Grayscale Hyperliquid hervor. Die dezentrale Handelsplattform leitet Handelsgebühren in einen Unterstützungsfonds, der HYPE-Token zurückkauft. Damit ist der Tokenpreis direkt an die tatsächliche Nutzung der Plattform gekoppelt. Der HYPE-Token stieg von einem Allzeittief von rund 3,81 US-Dollar Ende 2024 auf ein Hoch von 76,70 US-Dollar im Juni 2026. Zuletzt wurde der Token bei etwa 63 US-Dollar gehandelt, was einem Anstieg von rund 29 Prozent im bisherigen Jahresverlauf entspricht. Nach Marktkapitalisierung belegt HYPE damit Rang zehn.
Institutionelle Stimmen bestätigen den Trend
Auch aus der Fondsbranche kommen ähnliche Einschätzungen. Tushar Jain, Chief Investment Officer von Multicoin Capital, plädiert dafür, führende Protokolle wie Unternehmen zu bewerten. Sein Fonds hält HYPE und sieht Hyperliquid als Marktführer im Bereich der On-Chain-Derivate. Jain formuliert es direkt: „Solana ist ein Unternehmen. Hyperliquid ist ein Unternehmen. Sie sollen Cashflow generieren, und das ist der primäre Faktor, der diesen Token ihren Wert verleiht.“
Ob der Vorsprung der Finanzprotokolle anhält, hängt laut Grayscale letztlich davon ab, ob Consumer-Token echte Einnahmequellen aufbauen können. Derzeit deuten die Daten klar darauf hin, dass Fundamentaldaten und nicht Spekulation die Gewinner des Marktzyklus bestimmen.



